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Abstrakt: Welche Folgen hat es, wenn keine Behandlung der Depression erfolgt? Wie ist der Verlauf einer Depression ohne Behandlung?

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Depressionen - was passiert ohne Behandlung?

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Geschrieben von: Martin Winkler
Erstfassung: 2004-01-08. Geändert: 2016-01-23.

Welche Folgen hat es, wenn eine Depression nicht behandelt wird?

Muss man eine Depression zwingend medikamentös behandeln?

Antwort:
Viele Menschen mit depressiven Störungen bzw. einer anderen schweren seelischen Erkrankung hoffen, dass auch ohne Behandlung (insbesondere ohne eine medikamentöse Behandlung) sich eine Spontanbesserung oder Heilung ergibt.

Depressive Episode kann ohne Behandlung zurückgehen

Wenn es sich um eine "einfache" Major Depression = depressive Episode handelt, so ist grundsätzlich die Chance auf Besserung (Prognose) sehr gut. Studien zeigen, dass mit oder ohne Behandlung sich innerhalb von 3 bis 6 Monaten bei 70-80 Prozent der Patienten eine Rückbildung (Remission) erfolgt. Das ist mehr oder weniger identisch bei Patienten mit einer Depression, die gar nicht in Therapie sind gegenüber Patienten, die eine Antidepressiva-Behandlung oder Psychotherapie erhalten.

Insofern könnte man meinen, dass man bei einer Depression auch ohne eine Behandlung gut zurecht kommen könnte.

Weit gefehlt ! Das Problem liegt darin, dass man nicht vorhersagen kann, bei wem ohne Behandlung der Depression sich ein phasenweiser bzw. chronischer Verlauf ergibt. Sicherlich gibt es hier Erfahrungswerte (z.B. familiäre Belastung für wiederkehrende Depressionen, frühere Hilflosigkeitserfahrungen bzw neuropsychiatrische Erkrankungen wie ADHS, Asperger, Traumata in der Vorgeschichte). Aber für den Einzelverlauf kann man somit nicht vorher sehen, was ohne Behandlung im Verlauf der Depression passiert.


Tatsächlich haben viele psychische Erkrankungen einen phasenhaften Verlauf, d.h. es gibt Zeiten in denen scheinbar eine deutliche Linderung oder Beschwerdefreiheit vorliegt. Gerade bei Depressionen ist es auch durchaus möglich, dass sich eine völlige Rückbildung der depressiven Symptomatik ergibt. Dies ist jedoch insbesondere dann eher unwahrscheinlich, wenn:

  • es sich um eine wiederholte depressive Episode handelt
  • eine Veranlagung für Depressionen bzw. manisch-depressive Störungen besteht
  • andere Familienangehörige an einer psychiatrischen Störung leiden
  • begleitende Belastungsfaktoren (z.B. körperliche Erkrankung, Arbeitslosigkeit, Partnerschaftsprobleme, finanzielle Probleme) bestehen
  • wenig soziale Kontakte bzw. ein unterstützendes Netzwerk von Freunden und Angehörigen besteht

Letztlich muss man sich vor Augen führen, dass die Depression eine der sozial schwerwiegendsten Erkrankungen im Gesundheitssystem überhaupt ist. Sie kann nicht nur in erheblichem Umfang zu Selbstmordfällen führen, sondern eben die Arbeits-und Lebensfähigkeit der Betroffenen nachhaltig beeinträchtigen.

Ohne eine Behandlung ist der Verlauf der Erkrankung letztlich nicht vorhersehbar. Häufig ist zu beobachten, dass sich anfänglich noch leichtere depressive Symptome ohne Behandlung deutlich verschlechtern und insbesondere die Erledigung von Alltagsaufgaben nicht mehr möglich ist, so dass letztlich eine stationäre Behandlung notwendig werden könnte. Häufig ist auch zu beobachten, dass ohne angemessene ärztliche Behandlung und psychotherapeutische Unterstützung ein deutlich längerer Krankheitsverlauf besteht.

Ein Hauptargument für die Behandlung der Depression ist, dass es effiziente und nebenwirkungsarme Behandlungsmöglichkeiten gibt! Auch wenn in der Öffentlichkeit häufig noch unberechtigte Vorurteile gegen den Einsatz von Antidepressiva bestehen (z.B. "Antidepressiva verändern die Persönlichkeit", "Antidepressiva stellen nur ruhig", "Antidepressiva machen abhängig"), so steht dies im krassen Widerspruch zu den Erfahrungen von Patienten. Fragt man einen Patienten mit einer depressiven Erkrankung, so wird dieser in aller Regel nachträglich die Behandlung als richtig und gut bewerten.

Diese Erfahrung führt dazu, dass sich die meisten Ärzte nachhaltig dafür einsetzen, ihre Patienten und Angehörigen von den Vorteilen der Behandlung zu überzeugen. Sicher wird es aber auch akzeptiert, wenn (zunächst)keine medikamentösen Behandlungsmassnahmen gewünscht werden und alleinige psychotherapeutische und psychosoziale Massnahmen erfolgen sollen.

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