Geschrieben von: Eva Akincilar, Psychologieabsolvientin der Umeå Universität.
Erstfassung: 27 Mai 2004. Geändert: 24 Jan 2008.
Ist Müdigkeit ein Symptom vom Burnout-Syndrom?
Kann ständiger Stress zur totalen Erschöpfung führen?
Wie hängen Stress und Depressionen zusammen?
Als Lehrer leide ich seit Monaten unter Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und ständigen Kopfschmerzen. Ich kann mich an den Wochenenden oder den Ferien überhaupt nicht mehr erholen, fühle mich ständig unter Druck. Kann das ein Burn-out sein?
Antwort:
Burnout - Erschöpfung, Müdigkeit, Antriebsmangel und depressive Verstimmung
Behandlung burn out Syndrom
Viele Experten (Ärzte wie Psychologen) sind über die Bezeichnung „Burnout" (= „Ausbrennen oder ausgebrannt") nicht besonders glücklich. Suggeriert es doch, dass es sich um einen Zustand handelt, von dem sich der Patient nicht wieder erholen könnte. Das ist aber so nicht richtig. In der Fachwelt wird dann entweder von Erschöpfungssyndrom (exhaustion) oder auch Müdigkeit (Fatigue) gesprochen, wenn Kraftlosigkeit und ständige Erschöpfung unter starkem anhaltendem psychischen Druck entstehen. Allerdings sind diese Begriffe dann wieder in der Laienpresse z.T. mit völlig falschen Vorstellungen und Erklärungsmustern belegt.
Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen mit Burnout-Syndrom leidet zusätzlich unter Depressionen. Der wesentliche Unterschied zwischen einer Depression und Menschen mit einem Burnout oder Erschöpfungssyndrom ist, dass bei schwerer Erschöpfung seltener Selbstanklagen bzw. typische depressive Denkverzerrungen, Selbstmordgedanken und Appetitminderungen auftreten.
Menschen mit einem Erschöpfungssyndrom weisen häufig dagegen eine ausgeprägte Frustration und führen häufig eine äußere Ursache als Erklärung für ihre Problematik an. Sei es eine belastende Auseinandersetzung, nicht selten aber auch eine bisher „unentdeckte" medizinische oder paramedizinische Erklärung. Dabei sei es zunächst einmal offengelassen, ob eine Viruserkrankung oder andere medizinische Faktoren eine Rolle spielen.
Burnout wird nach heutiger Vorstellung der Psychologen und Ärzte am ehesten durch einen chronischen, d.h. über mehrere Wochen oder Monate anhaltenden Druck (=Stress) ausgelöst, wobei subjektiv für die Betroffenen keine Lösung oder Wiederherstellung eines seelischen Gleichgewichtes oder Zustand der relativen Zufriedenheit möglich erscheint. Dies führt zu einem Gefühl der Hilflosigkeit und einer Abwärtsspirale bis hin zur Selbstaufgabe.
Ist Burnout eine anerkannte Diagnose ?
Psychische Störungen werden in der psychiatrischen Klassifikation psychiatrischer Erkrankungen in Europa nach dem sog. ICD 10 – in den USA nach DSM IV – eingeteilt. Hierbei wird dem sog. Burnout-Syndrom keine eigentständige Diagnose sondern „nur“ eine sog. Z-Ziffer als Zusatzbedingungen unter der Einteilung ICD 10 Z 73 Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung zugesprochen.
Das ICD 10 spricht unter Z73.0 von Ausgebranntsein oder Burn-out als Zustand der totalen Erschöpfung.
Wichtig ist, dass hierbei nicht Probleme auf wirtschaftliche oder psychosoziale Umstände oder aber andere Stressfaktoren gemeint sind.
Z73 Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung Exkl.: Probleme mit Bezug auf sozioökonomische oder psychosoziale Umstände
( Z55-Z65 ) Z73.0 Ausgebranntsein Burn-out
Zustand der totalen Erschöpfung Z73.1 Akzentuierung von Persönlichkeitszügen Typ-A-Verhalten (Verhaltensmuster, das durch zügellosen Ehrgeiz, starkes Erfolgsstreben, Ungeduld, Konkurrenzdenken und Druckgefühl charakterisiert ist) Z73.2 Mangel an Entspannung oder Freizeit Z73.3 Stress, anderenorts nicht klassifiziert Körperliche oder psychische Belastung o.n.A. Exkl.: Mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit
( Z56.- ) Z73.4 Unzulängliche soziale Fähigkeiten, anderenorts nicht klassifiziert Z73.5 Sozialer Rollenkonflikt, anderenorts nicht klassifiziert Z73.6 Einschränkung von Aktivitäten durch Behinderung Exkl.: Pflegebedürftigkeit
( Z74.- ) Z73.8 Sonstige Probleme mit Bezug auf die Lebensbewältigung Z73.9 Problem mit Bezug auf die Lebensbewältigung, nicht näher bezeichnet
Symptome bei Burnout-Syndrom
Bei Patienten kann es dabei zu einer ganzen Reihe von körperlichen und psychischen Symptomen kommen. Typisch sind dabei neben einer Kraftlosigkeit und fehlenden Energie u.a. Schmerzen, etwa an den Muskelansatzstellen der Schulter und der Nackenmuskulatur (häufig dann auch mit Spannungskopfschmerzen), Magen-Darmbeschwerden und diffusen Herz- oder Brustbeschwerden. Diagnostische Überschneidungen zum sog. Fibromyalgiesyndrom sind häufig. In der Folge treten dann weitere psychische Beschwerden auf, etwa eine niedergeschlagen Stimmung, Ängste (u.a. vor der Zukunft, krankheitsbezogene Ängste), die bis hin zu Selbstmordgedanken und impulsiven Selbstmordversuchen führen können. Die Patienten fühlen sich schwach und ständig müde und erschöpft, sehen aber insbesondere eine Aussicht auf eine positive Veränderung der Situation, die sie selber herbeiführen können. Nicht selten wechseln sich dabei Phasen einer starken Belastung bzw. Versuche zur Änderung der Situation (z.B. Aufnahme von Sportübungen, neue Therapien) mit anschliessenden Phasen der totalen Erschöpfung und Resignation ab. In den Phasen relativen Wohlbefindens werden dann so viele Aktivitäten gelegt, dass dies wiederum zu einer Erschöpfung führen muss.
Ein solches Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom (Burnout) hat also einen Einfluss auf Gedanken (kognitive Ebene), Gefühle (Emotionen), körperliche Funktionen (physiologische Reaktionen des Körpers) und das Verhalten. Zu den häufigsten Symptomen gehört :
Fehlende Empathie für die Bedürfnisse anderer Menschen
Starke Frustration / Gereiztheit
herabgesetzte Belastbarkeit und Funktionieren im Alltag
Reizbarkeit / Irritabilität
Herabgesetzte Konzentration und Kurzzeitgedächtnis
Angstgefühle
vermindertes Interesse an Sex
Schlafstörungen (Insomnie)
Nervosität und Anspannung
diffuse Schmerzen und Muskelverspannungen / Kopfschmerz
Burnout-Syndrom und Schlafstörungen
Bei einem Teil der Patienten, die unter einer ständigen Erschöpfung bzw. Unfähigkeit zur Entspannung leiden, liegen Schlafstörungen vor. Diese können ursächlich oder auch als Folge der Burnout-Symptomatik auftreten. Während klassische Schlafprobleme wie z.B. eine primäre Insomnie oder das Schlaf-Apnoe-Syndrom in aller Regel in die diagnostische Abklärung des Burnout-Syndroms gehören, denken viele Therapeuten nicht an einen verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus bei einem sog. Schlafphasenverlagerungssyndrom. Damit ist gemeint, dass die normale Ausschüttung des Botenstoff Melatonin nicht zu üblichen Zubettgehzeiten erfolgt, sondern erst mitten in der Nacht. Dann wird man aber auch erst viel später "richtig wach" (etwa am frühen Nachmittag) und hat Leistungsspitzen zu Zeiten, wenn man sie bei der eigentlichen Arbeit nicht benötigen würde (Mitten in der Nacht), Tiefs dagegen am Tag.
Aktuell : Studie der Universität Basel zum Thema Burnout und Schlafstörungen Wenn Sie einen Online-Test zum Thema Burnout machen wollen, ist dieser Link vielleicht interessant
Wie kann man ein Burnout-Syndrom behandeln?
Als besonders erfolgversprechend haben sich in Untersuchungen eine Verhaltenstherapie mit kognitiv psychotherapeutischen Methoden herausgestellt (VT), aber auch psychodynamische Therapieverfahren können zu Erfolgen führen.
In einer Verhaltenstherapie geht es im wesentlichen anhand von sehr konkreten Beispielsituationen aus dem Alltag darum, Strategien zur Krankheitsbewältigung (Coping) zu entwickeln. In der Verhaltenstherapie werden so neue Wege aufgezeigt, mit Belastungen angemessen umzugehen und für ausreichende Erholung oder auch Abgrenzung gegenüber unangemessen Anforderungen vorbereitet zu sein.
Häufig stellt sich gerade eine Gruppentherapie hier als erfolgversprechend heraus. _Eine Gruppentherapie bietet dabei besonders die emotionale Unterstützung durch die anderen Betroffenen im Sinne einer gegenseitigen Selbsthilfe und Verständnis, aber auch Austausch von bisherigen Therapieerfahrungen oder günstigen wie ungünstigen Veränderungsversuchen. Diese soziale Unterstützung kann fehlendes Verständnis von Angehörigen, Selbstvorwürfe, Scham oder Schuld zumindest relativieren.
Weitere Therapiemöglichkeiten können die Einzeltherapie, aber auch eine medikamentöse Therapie mit einem Antidepressivum sein. Die Dauer der Behandlung schwankt erheblich von einigen Wochen bis Monaten, kann aber auch einige Jahre betragen.
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Was können Sie selber machen, um sich zu
helfen? Welche Anti-Stress-Hilfen gibt es bei Burnout?
Versuchen Sie die Ursachen für Ihren Stress / Belastungen herauszufinden. Hierfür eignet sich eine Selbstbeobachtung mit einem Tagebuch / Protokoll gut. Damit kann man am ehesten einen Zusammenhang zwischen auslösenden Situationen und den Beschwerden erkennen und in Zukunft daran arbeiten, diese zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren.
Versuchen Sie, sich langfristige Ziele im Leben zu setzen und nicht allein auf kurzfristige Erfolge zu hoffen. Vergleichen Sie ihre aktuelle Lebenssituation und versuchen sich vorzustellen, was sich in 6 Monaten, 1 Jahr oder 5 Jahren verändert haben soll
Bemühen Sie sich, ausgewogen und vernünftig zu Essen, zu Schlafen und für Ausgleich im Leben zu sorgen
Bauen Sie mehr positive Erlebenisse und Aktivitäten in den Alltag ein.
Versuchen Sie neue soziale Kontakte aufzubauen und alte Freundschaften oder Vereinsaktiviten / Ehrenamt etc. auszubauen.
Widmen Sie sich mehr einem Hobby
Lernen Sie Entspannungsverfahren oder Yoga
Treiben Sie Sport oder zumindest regelmässige Spaziergänge / Schwimmen / Fahrradfahren
Burnout-Syndrom
Synonyme und Suchbegriffe :
Erschöpfungssyndrom, ständige Müdigkeit, ausgebrannt, Depressionen, Burn-out, fatigue, chronic-fatigue, Stresssyndrom, Anpassungsstörung und Burnout. Erschöpfung und Müdigkeit
Burnout, Müdigkeit und Erschöpfung in Web4health Gesundheitsportal
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