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Nervenzusammenbruch - Was ist das eigentlich ?

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Geschrieben von: Dr. Martin Winkler
Erstfassung: 13 Jan 2004. Geändert: 23 Jan 2008.

Was ist eigentlich ein Nervenzusammenbruch?
Meine Freundin soll mit einem Nervenzusammenbruch in eine Klinik eingeliefert worden sein. Sie war seit einigen Tagen nervös, hatte Schlafstörungen und war ständig unruhig und nervös. Muss ich mir ernste Sorgen um ihren Verstand machen? Hat sie eine seelische Krise?

Antwort:

Nervenzusammenbruch : eine psychische Krise

Als "Nervenzusammenbruch" wird laienhaft eine psychische Krisensituation angesehen, die durch eine plötzliche (oder aber sich schon länger abzeichnende) Belastung- und Überforderungssituation bedingt ist.

Hierbei handelt es sich aber nicht um eine klinische Diagnose, sondern eher um eine eher bildliche Beschreibung, die vielleicht ausdrücken mag, dass die Last für den oder die Betroffene einfach zu viel geworden ist. Eine offizielle Definition des Nervenzusammenbruch kann man also nicht geben.

Im Gegensatz zur Laienvorstellung oder Vorurteilen wird man aber durch eine solche Stressbelastung weder verrückt, noch tritt eine wirkliche Schädigung der "Nerven" = dem zentralen Nervensystem ein.

Die Symptome dieser "seelischen Krise" sind in aller Regel von kurzer Dauer und recht unspezifisch, d.h. auch bei zahlreichen weiteren psychologischen bzw. psychiatrischen Störungsbildern zu beobachten.Hierzu gehören sicher Unruhe und Nervosität mit der Unfähigkeit zur Ruhe zu kommen bzw. "abzuschalten". Häufig finden sich daher auch Schlafstörungen sowie weitere Anzeichen einer Anspannungssituation bzw. Stress (z.B. beschleunigter Puls und Atemfrequenz, Magen-Darmbeschwerden, Schwindelgefühl, Verspannungen). Hier muss man differentialdiagnostisch u.a. eine Angststörung ausschliessen.

Andererseits treten aber häufig auch Niedergeschlagenheit oder Verzweifelung (Gedanken wie :"Ich kann nicht mehr, Ich weiss nicht weiter") wie bei einer depressiven Verstimmung auf.

Eine besondere Form einer akuten Krise kann bei Vorliegen einer akuten oder chronischen Posttraumatischen Belastungsstörung / Dissoziativen Störung vorliegen. Hierbei stehen neben heftiger Anspannung und Angst vor allem das Wiedererleben von traumatisierenden Ereignissen in Form von Bildern (flashbacks) im Vordergrund.

Gemeinsam ist vielen Patienten, dass sich in aller Regel ein oder mehrere soziale Belastungen oder für den Betreffenden subjektiv schwerwiegende Veränderungen (z.B. Trennung, Partnerschaftskonflikte) herausfinden lassen. Ist diese Problemkonstellation entschärft, so werden auch die Symptome nachlassen.

Somit diagnostizieren Psychiater bei einem Nervenzusammenbruch am häufigsten eine sog. Anpassungsstörung. Damit ist gemeint, dass Belastungen und eigene Kompensationsmöglichkeiten und Unterstützung derzeit nicht ausreichen, um eine psychische Stabilisierung aufrecht zu erhalten.


Hieraus folgt für die Behandlung des Nervenzusammenbruchs : Einerseits versucht man durch eine kurze "Aus-Zeit" den Klienten einen gewissen Abstand von den Problemen (z.B. im häuslichem Umfeld) zu ermöglichen und z.B. eine akute Streitsituation zu entschärfen. Manchmal reicht es schon, eine Nacht darüber zu schlafen und mit einer Schwester, dem Arzt oder Sozialdienst darüber zu sprechen, wie es weiter gehen kann. Meistens geht es dann auch darum, die eigenen Ressourcen wieder zu entdecken oder Unterstützung für objektiv schwierige Belastungen (z.B. Pflege von Angehörigen oder Kindern) aufzubauen.

Somit ist ein Nervenzusammenbruch meistens als Signal für eine schon länger bestehende Problemsituation zu verstehen, für die der oder die Betroffene selber noch keine gute Lösung gefunden hat.


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