Um ihr Gewicht zu kontrollieren, verlassen sich Patienten mit Essstörungen häufig auf eine Reihe von Techniken und Strategien; dies nennt man Unterdrückungsverhalten. Darunter findet man auch die Selbstverschreibung von Abführ- und Entwässerungsmitteln.
Etwa 1/3 aller Bulimiker verwenden Abführmittel und etwa 10% nehmen Diuretika, um ihren Körper von unerwünschten Kalorien zu befreien.
Abführmittel sind Medikamente, die die Verdauungsaktivität und Fäkalienausscheidung stören, während Diuretika die Nierenfunktion anregen und die Urinausscheidung erhöhen.
Der Gebrauch dieser Mittel sollte auf spezifische therapeutische Zwecke beschränkt und die meisten nur auf Rezept verkauft werden. Dennoch beschaffen sich viele Essstörungspatienten sie und verwenden sie exzessiv. Bulimische Mädchen, die jahrelang 5-10 Abführtabletten täglich schlucken, sind keine Seltenheit.
Die häufigsten Gründe, die Patienten vorbringen, um diesen Missbrauch zu rechtfertigen, sind normalerweise Verstopfung (für Abführmittel) und Harnverhaltung (für Diuretika).
Beide Symptome sind in Wirklichkeit die Konsequenz der falschen Ernährungsweise der Patienten und sind Abwehrreaktionen des Körpers, die einen schwer gestörten Stoffwechsel signalisieren.
Doch wenn man Arzneimittel benutzt, um den Körper zu Reaktionen, die fern seiner Möglichkeiten liegen, zu zwingen, gerät man in einen noch schlimmeren, krankhaften Kreislauf.
Abführmittel, die ursprünglich zur Bekämpfung von Verstopfung eingenommen wurden, schädigen auf lange Sicht den Verdauungstrakt, was dann irreversible Verstopfung hervorruft; Diuretika, die ursprünglich zur Bekämpfung von Harnverhaltung eingenommen wurden, schädigen auf Dauer die Nieren und verändern schließlich die Flüssigkeitsbalance und den Salzhaushalt, der die Zurückhaltung von Wasser reguliert.
Es reicht nicht aus, zu wiederholen, dass die Verwendung dieser Mittel zur Gewichtskontrolle nicht nur dumm, sondern auch selbstzerstörerisch ist, wie ein Versuch, ein müdes Pferd zum Laufen zu bewegen. Doch im Endeffekt wird das Pferd nicht nur nicht laufen, sondern, was noch schlimmer ist, wir werden vielleicht gar kein Pferd mehr haben.
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