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Abstrakt: Das menschliche Gehirn arbeitet, indem es kognitive Module (Bausteine) aktiviert. Sowohl intelligente Handlungen als auch unangemessene Reaktionen werden durch gute oder schlechte kognitive Module verursacht.

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Wie funktioniert das menschliche Gehirn?

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Frage(n):
Geschrieben von: Jacob Palme, Professor, Universität Stockholm. Übersetzt von: Karin Austen.
Erstfassung: 26 Nov 2006. Geändert: 19 Feb 2008.

Wie funktioniert das menschliche Gehirn? Warum erkranken manche Menschen am Gehirn?

Antwort:

Kognitive Module

Das menschliche Gehirn arbeitet, indem es Gedankenmodule (kognitive Module) aktiviert. Hier einige Beispiele kognitiver Module:

  • Die Module, die die Hände beim Fahrradfahren kontrollieren, sodass durch kleine Bewegungen nach links und rechts ein Unfall verhindert wird.
  • Die Module, die es einem Basketball-Spieler ermöglichen, den Ball sauber in den Korb zu bringen.
  • Die Module, die das Hungergefühl erkennen und anzeigen, dass man etwas essen muss.
  • Die Module, die uns eine Blume, ein schönes Gemälde oder eine hübsche Person wahrnehmen lassen.
  • Die Module, die manche Menschen eifersüchtig auf die Freunde ihres Partners sein lassen. Mehr Information zum Thema Eifersucht
  • Die Module, die die Geschwindigkeit anderer Fahrzeuge abschätzen und uns sagen, ob wir noch genügend Zeit haben, die Straße zu überqueren.
  • Die Module, die uns daran erinnern, nach links und rechts zu sehen, bevor wir eine Straße überqueren.
  • Die Module, die dafür sorgen, dass Eltern ihre Kinder lieben und auf sie achtgeben.
  • Die Module für den Sexualtrieb.
  • Die Kampf-oder-Flucht-Module.

Gelernt oder geerbt

Einige dieser Module basieren teilweise auf genetischer Vererbung, doch auch die vererbten Module können durch lernen verändert werden. Alles, was wir lernen, in unserer Kindheit, und als Erwachsene, fügt unserem Gehirn neue kognitive Module hinzu. Ein erwachsener Mensch besitzt Millionen kognitiver Module. Die menschliche Spezies ist einzigartig was ihre Fähigkeit angeht, kognitive Module durch Lernen zu entwickeln und zu modifizieren. Deshalb ist der Mensch als Art so erfolgreich, denn er ist nicht so sehr instinktkontrolliert und kann genetische Module durch erlernte Module modifizieren oder ersetzen.

Die Wahl der richtigen kognitiven Module

Wie also wählt das menschliche Gehirn die richtigen Module für ein bestimmtes Problem aus? Dies kann durch den Vergleich mit einem Klavier erklärt werden. Ein Klavier hat eine bestimmte Anzahl von Saiten, eine für jeden Ton. Wenn man einen Lautsprecher einen einzelnen Ton laut spielen lässt, beginnt die entsprechende Klaviersaite zu vibrieren. Andere Saiten, die mit dem gespielten Ton stark übereinstimmen, und Zwischentöne, fangen ebenfalls an, zu schwingen, jedoch in geringerem Maße. Alle Klaviersaiten empfangen den Klang, doch nur jene, die dem Klang entsprechen, werden anfangen, zu vibrieren. Folglich prüfen alle Klaviersaiten den Ton gleichzeitig.

Auf ähnliche Art und Weise, wenn wir einer Situation begegnen, prüft diese Situation gleichzeitig viele kognitive Module im Gehirn. Das Prüfen vieler Module zur gleichen Zeit nennt man "parallele Verarbeitung" und ist eine Tätigkeit, die das Gehirn sehr viel besser beherrscht als ein Computer. Doch von allen geprüften Modulen stimmen nur diejenigen, die am besten zur Situation passen, am meisten mit der zu bewältigenden Situation überein. Das Gehirn benutzt dann einen Auswahlmechanismus, durch den das kognitive Modul, welches am stärksten aktiviert ist, den Vorrang bekommt und als Modell dafür, wie mit der neuen Situation umzugehen ist, verwendet wird. Beispiele für diesen Auswahlmechanismus sind Situationen, in denen man in verschiedenen Teilen des Körpers gleichzeitig Schmerzen empfindet und man sich nur dem stärksten dieser Schmerzen bewusst ist. Gleichermaßen können viele verschiedene Module auf eine Situation reagieren, aber nur eine oder zwei der stärksten schaffen es bis in unser Bewusstsein.

Das menschliche Gehirn besitzt Billionen von Synapsen, in denen sich die kognitiven Module befinden. Diese enorme Zahl synaptischer Verbindungen und die Fähigkeit, darin schnell passende Module zu finden, ist von zentraler Bedeutung für die menschliche Intelligenz.

Der Unterschied zwischen dem menschlichen Gehirn und Computern

Man muss beachten, dass sich das Gehirn stark von der Funktion eines normalen Computers unterscheidet. Nur wenige Computer besitzen die Möglichkeit, Millionen kognitiver Module zu aktivieren und zuzuordnen und in einer bestimmten Situation die passenden auszuwählen. Vor allem die Fähigkeit des Menschen, kognitive Module, die einer neuen Situation in irgendeiner Form ähneln, jedoch nicht mit ihr identisch sind, zu erkennen, ist einzigartig. Computer beherrschen zwar gut das Finden identischer Situationen, jedoch nicht das Entdecken ähnlicher, aber nicht identischer Situationen.

Psychische Störungen

Persönlichkeitsstörungen und andere psychische Störungen können leicht anhand desselben Modells erklärt werden. Solche Störungen entstehen einfach aus dysfunktionellen Modulen. Menschen, die ein Flugzeugunglück erlebt haben, entwickeln möglicherweise ein kognitives Modul, das bewirkt, in Zukunft vor dem Fliegen Angst zu haben. Solche kognitiven Module nennt man "Phobien". Mehr.

Es gibt Personen, die vielleicht kognitive Module entwickelt haben, die für den Umgang mit Beziehungen zu bestimmten anderen Menschen, wie z.B. nahen Familienangehörigen, ungeeignet sind. Möglicherweise wenden sie diese Module auch bei anderen Personen an, auch wenn sie nicht passend sind. In der Psychologie nennt man einen solchen Vorgang "Übertragung"; er ist eine der häufigsten Ursachen für eine Neurose.

Zwangsstörungen entstehen dadurch, dass einige kognitive Module, z.B. solche, die sich auf das Waschen beziehen, zu stark stimuliert werden.

Die meisten gesetzestreuen Menschen verfügen über kognitive Module, die sie davon abhalten, kriminelle Handlungen zu begehen. Verbrecher dagegen haben andere Module, die kriminelles Handeln hervorrufen.

Verfolgungswahn und eine paranoide Persönlichkeitsstörung sind kognitive Module, die die übertriebene Vorstellung hervorrufen, man würde von anderen verfolgt.

Sigmund Freuds Theorie der Sublimation besagte, dass kognitive Module für manche Aktivitäten, wie z.B. Sexualität, in unpassenden Situationen fälschlicherweise angewendet werden könnten. Freud machte ebenfalls die Idee vom "Unterbewussten" bekannt, die besagt, dass es bestimmte kognitive Module gibt, deren Ursprung sich der Mensch nicht bewusst ist und die er dann eventuell unangemessen gebraucht.

Behandlung psychischer Störungen

Das Ziel der Psychotherapie ist die Modifizierung (Veränderung) oder das Ersetzen unangemessener kognitiver Module (kognitive Verhaltenstherapie). Es ist auch wichtig, zu üben, unpassende Reaktionen, verursacht durch unpassende kognitive Module, zu kontrollieren. Das ist leichter, wenn man sich seiner unpassenden kognitiven Module bewusst ist; folglich ist das Verstehen und Erkennen dieser Module auch zentraler Teil der Psychotherapie. Die "Psychodynamische Schule" der Psychotherapie versucht stärker zu erkennen, wie der Patient unangemessene Module in der Kindheit erlernt hat, während die "Gestaltschule" mehr versucht zu verstehen, wie diese Module in der Gegenwart wirken.

Bestimmte psychische Störungen, wie Schizophrenie, Depressionen und Zwangsstörungen, scheinen mit einer falschen Auslösungen und Akzentuierung gewisser Module zusammenzuhängen. Während Psychotherapie auch bei solchen Störungen helfen kann, sind Medikamente, die diese falschen Auslöseimpulse verändern, für die Behandlung ebenfalls wichtig. Das beste Ergebnis erreicht man häufig durch eine Kombination von Medikamenten und Psychotherapie.

Aberglaube und Vorurteile

Ein Problem der menschlichen Abhängigkeit vom Gebrauch gespeicherter Module ist, dass in dem Fall, dass diese Module unpassend oder veraltet sind, Aberglaube, Vorurteile und der Widerwille gegen Veränderungen entstehen können.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Menschen sehr leicht neue kognitive Module konstruieren, die unangemessen sind. Um den dahinterstehenden Mechanismus zu verstehen, kann man die Ergebnisse eines psychologischen Experimentes zu Hilfe nehmen. Bei diesem Experiment wurde eine Vorrichtung angefertigt, die eine zufällige Reihe von Bits, 0 oder 1, bildete. Die Bits wurden so errechnet, dass ein Drittel eine 0 und zwei Drittel eine 1 waren. Eine Testperson wurde dann gebeten, jeweils vor dem nächsten Bit zu raten, ob dieses eine 0 oder eine 1 sein würde. Die Testperson würde auch für jedes richtig erratene Bit einen Geldbetrag erhalten. (Mehr Information)

Da die Bits zufällig ausgewählt worden waren, gab es keine wirkliche Chance, richtig zu raten. Die optimale Strategie, die Punktzahl zu maximieren, wäre also gewesen, immer die 1 zu tippen. Dies hätte eine Erfolgsquote von 66,7% gehabt. Dennoch benutzten schließlich nur wenige der Testpersonen diese optimale Strategie. Die meisten entwickelten mehr oder weniger komplexe Regeln, um zu wählen, ob das nächste Bit eine 0 oder 1 sein würde, was eine durchschnittliche Erfolgsquote von 55,6% ergab.

Was dieses Experiment zeigt, ist, dass Menschen, wenn sie mit einer komplexen Realität konfrontiert sind, eher dazu tendieren, komplexe Erklärungen dafür zu entwickeln, statt zu akzeptieren, dass die Wirklichkeit ein zufälliges Element enthält, das sie nicht vorhersagen können. Für das wirkliche Leben bedeutet dies, dass Menschen oft Erklärungen glauben, die falsch sind, wenn sie einer komplizierten Realität gegenüberstehen. Ein Beispiel für solche falschen Schlüsse sind Meinungen wie: "Moslems waren schuldig für die Anschläge vom 11. September 2001, bei denen 2819 Menschen starben, als sind alle Moslems böse" oder "Diese homöophatische Medizin hilft mir".

Der Grund, warum der menschliche Geist so funktioniert, ist wahrscheinlich, dass es in vielen Fällen hilfreich ist, neue oder bessere kognitive Module zu bilden, um neue Situationen zu bewältigen. Die Tendenz, neue oder bessere Module zu bilden, ist jedenfalls in den meisten Fällen eine gute Methode, und es kann für einen Menschen dienlicher sein, gelegentlich falsche kognitive Module zu entwickeln, als keine Erklärungen für das, was im Leben passiert, zu finden.

Gruppenunterstützung

Eine weitere, sehr häufige menschliche Tendenz ist, andere Menschen in verschiedene Arten von Gruppen einzusortieren und dann Menschen zu mögen und zu unterstützen, die derselben Gruppe angehören wie man selbst. Diese Neigung kann sich als Unterstützung für Personen manifestieren, die zur selben ethnischen Gruppe oder Religion gehören oder die gleiche Sprache sprechen. Sogar innerhalb einer Sprache gibt es Untergruppen, wie z.B. die Sprache, die Mediziner untereinander gebrauchen. Ein Individuum, das zu einer solchen Gruppe gehört, wie z.B. ein Arzt, wird jemandem, der diese Sprache beherrscht, positiver gegenüberstehen. Diese Tendenz ist möglicherweise teilweise genetisch bedingt und könnte sich in einer Zeit entwickelt haben, in der die Menschen in vielen kleinen Stämmen zusammenlebten, auf die Unterstützung der Mitglieder ihres Stammes angewiesen waren und Angehörigen fremder Stämme gegenüber misstrauisch sein mussten.

Sind kognitive Module intelligent?

Man muss beachten, dass kognitive Module intelligent oder dumm, rational oder emotional, effektiv oder ineffektiv, passend oder unpassend sein können. Psychische Krankheiten treten dann auf, wenn bei einer Person gewisse kognitive Module unpassend sind und zu stark dominieren.

Manche Leute glauben, dass das menschliche Denken in rational und emotional eingeteilt werden kann, mit der impliziten Annahme, rationales Denken sei irgendwie besser oder effektiver. Doch kognitive Module kombinieren rationales und emotionales Denken, und viele wichtige und passende Module sind hochemotional, beispielsweise diejenigen, die Menschen dazu bringen, für ihre Kinder zu sorgen und sie zu beschützen. Eine bessere Art, kognitive Module zu unterscheiden, ist die Einteilung in passend und unpassend, und nicht in rational und emotional.

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