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Abstrakt: Was ist eine Benzodiazepinabhängigkeit Was sind typische Merkmale des Missbrauchs und Abhängigkeit von Benzodiazepinen (Schlafmitteln, Anxiolytika)?

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Was ist Benzodiazepinabhängigkeit - Typische Merkmale und Symptome der Tablettensucht bei Benzodiazepinabhängigkeit

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Geschrieben von: Dr. Martin Winkler nach Prof Heather Ashton
Erstfassung: 2003-08-19. Geändert: 2011-09-19.

Was sind Symptome oder Merkmale einer Abhängigkeit von Benzodiazepinen (Tranquilizer)? Was sind Warnhinweise für eine Benzodiazepinabhängigkeit oder Toleranzentwicklung? Machen Schlaftabletten abhängig? Was ist Beikonsum von Benzodiazepinen? Was ist eine Benzodiazepinabhängigkeit

Antwort:

Was ist Benzodiazepin-Abhängigkeit / Medikamentensucht

Benzodiazepines sind potentiell abhängig machende Medikamente: Eine psychologische und körperliche Abhängigkeit kann sich innerhalb einiger Wochen oder Monate des regelmäßigen oder wiederholten Gebrauches entwickeln.

Medikamentenabhängigkeit mit Benzodiazepinen ("Benzos")

Bei Patienten, die von ihrem Arzt Benzodiazepine verordnet bekommen haben (als Schlafmittel, gegen Ängste oder Anspannungen oder aus anderen Gründen wie z.B. Muskelschmerzen) können folgende Auffälligkeiten zur Entwicklung einer Dosiserhöhung (Toleranzentwicklung) bzw. Abhängigkeit (Suchtentwicklung) führen. Natürlich muss dies nicht zwangsläufig so sein, dennoch findet man eine deutliche Risikohäufung, wenn :

  • Sie Benzodiazepine über Monate oder gar Jahre in verordneten "therapeutischen" Dosierungen eingenommen haben.
  • Sie nach und nach die Medikamenten brauchten, um normale Alltagstätigkeiten bzw. Erledigungen zu bewältigen.
  • Sie die Benzodiazepine weiter eingenommen haben, obwohl der ursprüngliche Behandlungsanlass (z.B. eine akute Belastungssituation) nicht mehr bestehen.
  • Sie Probleme bekommen, wenn sie selbst die Dosis reduzieren möchten oder ganz auf die Medikamente verzichten würden.
  • Bei kurz-wirkenden Benzodiazepinen bei nachlassender Wirkung Angst- oder Unsicherheitssymptome wie z.B. Unruhe oder Anspannung aufreten.
  • Sie mehrfach ihren Arzt (oder gar mehrere Ärzte aufsuchen), um weitere Rezepte für Benzodiazepine zu erhalten.
  • Sie sich Sorgen machen, wenn sie keine Tablette(n) bei sich haben oder kein Rezept mehr bekämen.
  • Sie "zur Sicherheit" oder als Vorsorge bereits eine Tablette nehmen, um einer Belastungssituation am nächsten Tag gewachsen zu sein.
  • Sie bereits die Dosis gegenüber der ursprünglich verordneten Menge selbst erhöht haben.
  • Sie Angstsymptome, Panikattacken oder Vermeidungsverhalten, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit oder zunehmende körperliche Beschwerden trotz der Einnahme der Medikation bekommen.

Häufigkeit der Benzodiazepinabhängigkeit


Die Anzahl der Menschen, die weltweit Benzodiazepine einnehmen, ist riesig. In den USA berichten ungefähr 11 Prozent der Bevölkerung über eine Benzodiazepineinnahme innerhalb des vergangenen Jahres. Ungefähr 2 Prozent der Erwachsenbevölkerung der US (etwa 4 Million Leute) haben wahrscheinlich ärztlich verordnet Bbenzodiazepine als Schlaf- oder Angstmedikation über 5 bis 10 Jahre regelmässig eingenommen. Ähnliche Grössenordnungen treffen für Großbritannien, den meisten europäischen Ländern und einigen asiatischen Ländern zu. Ein hoher Anteil dieser langfristigen Konsumenten wird, zumindest in einem gewissen Grad, abhängig sein. Wieviele nun genau abhängig sind, ist nicht bekannt. Dies hängt auch davon ab, wie man nun Sucht bzw. Abhängigkeit genau definiert. Man weiss aber, dass 50-100 Prozent der langfristigen Benzodiazepin-Nutzer langfristig erhebliche Probleme haben, auf die weitere Medikamenteneinnahe zu verzichten.

"Verordnete" Abhängigkeit von Schlafmitteln

Ein kleiner Teil der Patienten, die von ihren Ärzten Benzodiazepine erhalten, erhalten fälschlich von ihren Ärzten immer höhere Dosierungen. Sie können zunächst vielleicht ihren Arzt überzeugen, ihnen ein mengenmässig grösseres Präparat oder mehrere Packungen zu verordnen. Sollte dann dieses Limit erreicht sein, suchen sie weitere Ärzte oder Notdienste auf und versuchen hier, weitere Medikamente zu erhalten.

Manchmal findet man bei dieser Patientengruppe eine zusätzliche Alkoholproblematik. Sie greifen für gewöhnlich nicht zu Drogen, können aber durchaus mit dem Drogenmarkt in Kontakt kommen, wenn sie versuchen illegal Benzodiazepine auf der Strasse zu kaufen.

Kombinierter Missbrauch bei Polytoxikomanen / Beikonsum mit Benzodiazepinen

Der Beikonsum von Benzodiazepinen bei Drogen- oder Alkoholabhängigkeit ist ein zunehmendes Problem. Ein beträchtlicher Teil der Polytoxikomanen (30-90%) setzt auch Benzodiazepine ein. Die Süchtigen versuchen damit den "Kick" durch illegale Drogen noch zu erhöhen, teilweise aber auch die Entzugssymptome der anderen illegalen Drogen (Opiate, Barbiturate, Kokain, Amphetamine und Alkohol) zu bekämpfen. Ein Teil setzt Benzodiazepine dann auch ein, um eine zu sehr aufpuschende Wirkung (z.b. von Kokain oder Stimulanzien) zu dämpfen ("Downer").

Bei einem Teil der Patienten, die Benzodiazepine zum Alkoholentzug erhielten, kann sich ein Wechsel der Abhängigkeit hin zur Benzodiazepinabhängigkeit entwickeln und dann zu illegal erworbenen Tabletten greifen, wenn sie wieder rückfällig werden. Eher selten werden grössere Mengen von Benzodiazepinen allein verwendet, um ein Hochgefühl zu erzielen.

Der Beikonsum von Diazepam, Alprazolam, Lorazepam, Temazepam, Flunitrazepam oder anderen Benzodiazepinpräparaten wird nahezu weltweit beobachtet. Zumeist werden die Substanz als Tabletten geschluckt, jedoch zumeist in Dosierungen die weit über den theraeptisch üblichen Mengen liegen (z.b. 100 mg Diazepam pro Tag). Eher wenige Menschen spritzen Benzodazepine intravenös. Diese Hochdosis-Konsumenten entwickeln eine starke Toleranzentwicklung mit einer entsprechenden Dosissteigerung und häufig genug einer Abhängigkeitsentwicklung. Die Entgiftung dieser Patientengruppe kann erhebliche Probleme bereiten, da der Entzug sehr schwer verlaufen kann und unter Umständen Krampfanfälle auftreten könnten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist vielleicht der Anteil dieser Patientengruppe noch eher gering, aber die zunehmende Verfügbarkeit durch Verordnungen von Benzodiazepinen führt eben auch zu einer leichteren Verfügbarkeit im illegalen Bereich. Derzeit sind wahrscheinlich mehr oder weniger erzwungene ärztliche Verordnungen, Diebstahl aber auch illegaler Import die wesentlichen Bezugsquellen.

Sozio-ökonomische Folgen des Benzodiazepinkonsums

Die Folgekosten des derzeigigen Langzeitgebrauchs von Benzodiazepinen sind ganz erheblich, auch wenn sie derzeit noch schwer abzuschätzen sind. Wesentliche Aspekte sind bereits aufgeführt worden. Aber es gibt noch eine ganze Reihe von weiteren Problemen, die man reduzieren könnte, wenn die Rezepte bzw. Verordnungen nur bei sorgfältiger Indikation abgegeben würden. Dennoch halten mehrere Ärzte an der Verordnung von Tranquilizern fest und die Patienten erhalten nur wenig konkrete Hilfe und Anweisungen hinsichtlich einer angemessenen Entzugsbehandlung.

Weiter Folgen der Benzodiazepinabhängigkeit sind u.a. :

  • Erhöhtes Unfallrisiko beim Autofahren, bei der Arbeit, im Haushalt
  • Erhebliches Risiko einer unabsichtlichen Vergiftung bei Überdosierung und bei Kombination mit Drogen oder Alkohol
  • erhöhtes Selbstmordrisiko, gerade bei zusätzlichen Depressionen
  • erhöhtes Risiko für Aggressionen und Gewalt
  • erhöhtes Risiko für Diebstahl und kriminellem Verhalten
  • Beteiligung an Partnerschaftsproblemen mit Trennung/ Scheidungen
  • Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit
  • Kosten für Notfallbehandlungen, Krankenhauskosten etc.
  • Probleme für ungeborene Kinder bzw. Babys
  • Abhängigkeitsentwicklung
  • Kosten der Medikamente
  • Kosten der Entgiftung und Entwöhnungsbehandlung
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