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Abstrakt: Kann sich ADHS bei Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden zeigen?

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ADHS und Wechseljahre

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Geschrieben von: Martin Winkler
Erstfassung: 12 Okt 2003. Geändert: 12 Okt 2003.

Als erwachsene ADS-lerin habe ich das Gefühl, daß sich meine ADS-Symptome durch Hormonstörungen ( Herannahen der Wechseljahre??) massiv verschlimmern. Würden hier Hormongaben helfen, bzw. gibt es Nahrungsmittel, die vielleicht weiterhelfen? Wie weit hilft Ritalin gegen das Chaos auf der emotionalen Ebene, hilft es da überhaupt?

Antwort:
Grundsätzlich ist es sehr wohl so, dass bei Frauen mit ADHS die Symptomatik deutlich von hormonellen Faktoren abhängig sein kann bzw. ist. Dies liegt zum einen daran, dass die hauptsächlich beteiligten Botenstoffe in wechselseitigen Beziehungen zueinander stehen. Die Rezeptoren und Transportersysteme für Dopamin sind einerseits auch vom vorhandensein von ausreichend weiblichem Hormon Östrogen abhängig, andererseits weisen Frauen mit ADHS offenbar stärkere Schwankungen der Hormone als "nicht-betroffene" Frauen auf. Wir wissen, dass viele ADHS-Frauen bereits in frühen Jahren eine sehr starke sog. prämenstruelle Störung haben, d.h. in der Zeit der Periode eine deutliche Verschlechterung ihrer Symptome bzw. Stimmungsprobleme und Reizbarkeit aufweisen. In dieser Zeit ist ein funktioneller Abfall der Östrogene zu verzeichnen. Hier kann einerseits die Gabe von einem sog. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (z.B. Zoloft oder Cipramil) hilfreich sein (auch zwischen Dopamin und Serotonin bzw. den Östrogenen gibt es Wechselbeziehungen). Viele Patientinnen berichten aber auch, dass sie in dieser Zeit eine deutlich nachlassende Wirksamkeit von Stimulanzien (z.B. Ritalin) haben und bis zum Doppelten der natürlichen Dosis für einen gleich positiven Wirkeffekt benötigen.

Man kann also davon ausgehen, dass bei Frauen mit ADHS ein ausreichender Östrogenspiegel ganz entscheidend ist. Aufgrund der ganz normal nachlassenden Östrogenspiegel und den stärkeren Schwankungen der Spiegel bei ADHS-Frauen kann nun auch im jüngeren Alter eine funktionell der Menopause entsprechende Problematik einsetzen. D.h. im ungünstigsten Fall besteht ein relativer Östrogenmangel.

Nun ist ja die Hormonsubstitution bei Frauen nicht unumstritten. In bezug auf eine ADHS-Wirkung berichten aber durchaus Patientinnen, dass erst die Kombination von Methylphenidat und einem SSRI (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) und dann eine Östrogengabe zu befriedigenden Effekten geführt hat. Andererseits gibt es aber auch viele Frauen, die ohne Hormonsubstitution diese Schwankungen ausgleichen konnten.

Nahrungsmittel helfen da nach meiner beschränkten Erfahrung nicht wirklich. Hausmittelchen können zwar gegen die Beschwerden der Peri-Menopause helfen, beeinflussen aber die kognitiven und emotionalen Schwankungen nicht.

Methylphenidat hat sehr wohl einen stabilisierenden Einfluss auch im emotionalen Bereich (obwohl es natürlich kein stimmungsstabilisierendes Medikament ist). Aber wie zuvor dargestellt, muss man gerade bei Frauen mit ADHS die komplexeren Wechselwirkungen beachten. Zudem ist natürlich die medikamentöse Therapie nur ein Teil im Gesamtbehandlungsplan. Das "emotionale Chaos" lichtet sich häufig erst im Zusammenspiel von fundierter Information, Coaching bzw. Verhaltenstherapie und eine gute, d.h. individuell abgestimmte medikamentöse Behandlung.

Leider gibt es nur wenig Frauenärzte, die sich überhaupt mit dieser Thematik auskennen (wenn es überhaupt welche gibt). Psychiater wiederum beachten häufig nicht die Besonderheiten des ADHS bei Frauen. Es ist also ausgesprochen schwierig hier eine gute Behandlung zu finden. Mehr zum Thema ADHS bei Frauen findet man in Ansätzen in dem Buch "die Chaosprinzessin" von Solden bzw. in dem englischen Fachbuch (mit mehreren sich z.T. inhaltlich wiederholenden Artikel) von Patrica Quinn und Kathleen Nadau "Understanding women with ADHD"

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