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Abstrakt: Studenten mit einem ADHS / HKS können erhebliche Lernblockaden, Prüfungsangst und Studienprobleme aufgrund Ablenkbarkeit, Desorganisation und Selbstorganisation aufweisen.

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Lernblockaden und Lernprobleme bei Studenten mit ADS / ADHS / HKS

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Geschrieben von: Dr. Martin Winkler
Erstfassung: 2006-06-19. Geändert: 2010-11-14.

Gibt es einen Zusammenhang von ADHS und Problemen und Aufmerksamkeitsstörungen im Studium (Prüfungsangst, Lernprobleme, Lernblockade oder Langzeitstudenten)?

Können auch Studenten ADHS haben?

Können Verzögerungen beim Studium (Langzeitstudenten) eine psychologische Ursache haben?

Ich kann mich schon seit der Kindheit nicht für uninteressante Dinge konzentrieren bzw bin extrem leicht ablenkbar. Mit zunehmenden Anforderungen im Studium kann ich mich auf das Lesen und Abfertigen einer Diplomarbeit nicht mehr konzentrieren, ich schaffe wahrscheinlich den Studienabschluss nicht. Welche Ursache kann es für Konzentrationsstörungen, Ablenkbarkeit und Prüfungsangst geben?

Antwort:

Lernblockaden oder Lernprobleme im Studium bei Studenten mit ADHS

Man schätzt das ca 3-5 Prozent aller Erwachsenen eine bis in das Erwachsenenalter anhaltende Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS bzw. ADS / HKS) haben. Während in den USA bereits länger die besondere Bedeutung von entsprechenden Handicaps im Bereich der Aufmerksamkeitssteuerung (bzw. mangelnde Daueraufmerksamkeit) und Selbstorganisation als Behinderung für Studenten anerkannt ist, gibt es im deutschsprachigen Raum bisher kaum entsprechende Informationen oder Empfehlungen. Schätzungen aus den USA gehen davona us, dass ca 1/4 aller Erstsemester an einem College mit Lernstörungen eine ADHS-Problematik aufweisen.

Lernblockade

Natürlich kann eine kurzfristige Lernblockade viele mögliche Ursachen haben. Ziehen sich jedoch entsprechende Probleme Wissen aufzunehmen bzw. wieder situationsbezogen abzurufen wie ein roter Faden durch das Leben, sollte man auch an eine neurobiologische Ursache der Lernblockade denken.
Viele Ärzte oder Psychologen denken zunächst, daß eine entsprechende Aufmerksamkeitsstörung ein Abitur bzw. höhere Ausbildung unmöglich machen würde. Zudem zeigen sich eben aufgrund der veränderten Symptomatik bei Erwachsenen häufig eher Probleme im Bereich der Selbstorganisation bzw. Lernorganisation, seltener eine motorische Unruhe. Damit werden leider immer noch zunächst Vorurteile (wie z.B. "Gammelstudent" oder aber mangelnde Motivation oder fehlende Begabung für das gewählte Fach) als Ursache für Probleme im Studium angesehen.

Dabei sollte betont werden, dass auch (oder sogar gerade) hochbegabte Studenten lange Zeit unauffällig in der Schule (mit starken Strukturvorgaben) sein können, dann aber mit zunehmenden Anforderungen an Selbstorganisation und erworbenen Lerntechniken auffällig werden.

Auch die Betroffenen selber sehen häufig zunächst keinen Zusammenhang ihrer Lern- und Studienprobleme mit einer bereits in der Kindheit bestehenden motorischen Hyperaktivität oder einer Aufmerksamkeitsproblematik vom unaufmerksamen Subtyp der ADHS. Typische Aussagen wären z.B. :

  • Mein Studium bzw. einzelne Vorlesungen werden nach ein paar Wochen einfach stinklangweilig. Nur wenn etwas neu und interessant ist, kann ich mich zum Lernen motivieren
  • Ich habe mich immer so durchgemogelt und konnte eigentlich noch nie lernen. Aber in der Schule habe ich es immer sofort erfasst, da brauchte ich noch nie wirklich lernen
  • Der Lärm und die Ablenkung in den Vorlesungen sind unertäglich. Ich kann nur allein lernen.
  • ich kann den Inhalt der gelesenen Bücher nicht erfassen
  • in den Prüfungen habe ich eine Blockade und kann das gelernte Wissen dann nicht abrufen
Ablenkbarkeit und Reizoffenheit
Die Reizoffenheit bzw. stärkere Ablenkbarkeit von ADHS-Betroffenen führt dazu, dass sie gerade in grösseren Gruppen oder Räumen stark durch äußere Reize, Lärm oder auch visuelle Einflüsse abgelenkt werden. Während sie in der Schule und besonders der Oberstufe in relativ kleinen Kursen ein übersichtliches Umfeld hatten, erleben sie eine Universität bzw. volle Hörsäle als unerträgliches Chaos. Sie werden von inneren und äußeren Reizen abgelenkt und meiden zunehmend solche Situationen. Dies wird häufig als "Soziale Phobie" missverstanden, da die Betroffenen scheinbar Angst vor Gruppen bzw. öffentlichen Räumen haben. Nur in Kleingruppen bzw. unter besonderen Bedingungen gelingt es ihnen jedoch bei unbehandeltem ADHS, sich ausreichend auf die Vorlesungen oder Seminare zu konzentrieren.

Unruhe / Anspannung
Im Erwachsenenalter ist nur selten einer ausgeprägte motorische Unruhe wie Kippeln oder Wippen mit den Beinen auffällig. Aber dennoch zeigt sich eine starke innere Unruhe gerade nach einer Reizüberflutung bzw. fehlenden Ausweichmöglichkeiten. Manchmal kann dies im Sinne einer Selbstmedikation mit Zigaretten oder grösseren Mengen Kaffee / Cola noch teilweise kompensiert werden. Im wesentlichen ist aber die innere Anspannung bzw. Unfähigkeit sich ausreichend zu entspannen ein Problem. Dies gilt besonders auch in den Abend- und Nachtstunden, so dass viele Betroffene erst sehr spät (am frühen Morgen) Schlaf finden und dann in den Morgenstunden nicht wach werden. Wenn sie dann erst am späten Vormittag oder gar mittags aufstehen (können), ist dies mit einnem geregeltem Studium nicht zu vereinbaren.

Vergesslichkeit bzw. Merkprobleme beim Lesen
Vielen Studenten fällt es schwer, den Inhalt einer Seite eines Buches im Zusammenhang zu erfassen. Häufig müssen sie wiederholt einen Text lesen bzw. versuchen über verschiedenen Bücher mit ähnlichem Inhalt eine möglichst interessante Darstellung zu finden. Dabei besteht ihr Problem nicht im mangelndem Interesse an der Thematik. Dennoch ist nur ein neuer Stoff bzw. eine besonders interessante Präsentation des Wissens (mit Anforderungen an eigenes Denken bzw. Fragen zum Text) ein ausreichender Stimulus für das Lesen der Bücher).

Langeweile
Viele ADHS-Erwachsene können Langeweile bzw. Monotonie nicht ertragen und versuchen dies mit allen Mitteln zu umgehen. Werden nun Inhalte bzw. eher formale Anforderungen (ohne praxisnahen Bezug) abgefragt bzw. vermittelt, kann die Aufmerksamkeit hierfür wie ein anspringender Bildschirmschoner plötzlich auf Null sinken.

Desorganisation / Aufschieben / Procrastination
Während in der Schule doch klare Vorgaben zum Lernstoff und der Reihenfolge der Kurse bestanden, fällt es gerade ADHS-Studenten sehr schwer, sich eine eigenständige Lern- und Studienstruktur zu schaffen. Dies kann bereits in der Schule z.B. dadurch auffällig geworden sein, dass Probleme in der Erfassung von wichtigen Inhalten von Texten oder Prioritätensetzung zu Problemen führte. Aufschieben von Aufgaben und Kursen bzw. Abgabe von Hausaufgaben / Diplomarbeiten in "letzter Sekunde" sind typische Beeinträchtigungen. Während es ihnen dabei in dem ein oder anderen Fach zunächst noch mit Glück gelingen mag, werden mit zunehmenden Anforderungen im Studium doch entsprechende Defizite der höheren Organisationsfertigkeiten zunehmend deutlich.

Prüfungsangst
Typisch für ADHS ist es, dass es den Betroffenen aufgrund Störungen im Arbeitsgedächtnis ungleich schwerer fällt Informationen aus dem Kurz- in das Langzeitgedächtnis zu speichern. Noch problematischer ist aber der Abruf von Informationen unter Anspannung oder Druck (wie eben in Prüfungssituationen). Hier ist nicht eine eigentliche Angststörung vorherrschend, sondern eine "Blockade" auf die Informationen zuzugreifen.

Leider suchen viele Betroffene erst sehr spät therapeutische Hilfe auf. Dann treten in aller Regel weitere sekundäre Auswirkungen der ADHS-Problematik wie Depressionen bzw. soziales Rückzugsverhalten, Substanzmissbrauch oder weitere Verhaltensprobleme zusätzlich auf.

Dr. Martin Winkler
Klinik Lüneburger Heide
ADHS Schwerpunkt für Erwachsene
Am Klaubusch 21
29549 Bad Bevensen

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