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Abstrakt: ADHS Reha Klinik für ADHS bei Erwachsenen : Stationäre ADHS Rehabilitationsbehandlung für ADS / ADHS bei Jugendlichen und Erwachsenen

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ADHS Klinik für Erwachsene : ADHS Rehabilitation für ADS/ ADHS im Erwachsenenalter

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Frage(n):
Geschrieben von: Dr. Martin Winkler,
ADHS Reha Klinik bei Erwachsenen Saale Klinik 1 Psychosomatik
06628 Bad Kösen (Sachsen-Anhalt) ADHS -Therapie für Erwachsene
Email : dr.martin.winkler(at)googlemail.com
Erstfassung: 2004-09-26. Geändert: 2014-12-02.

  • Wo finde ich eine ADHS Klinik für Erwachsene und Jugendliche mit ADS / ADHS ?
  • Gibt es eine ADHS Reha Klinik ?
  • Welche Hilfen gibt es für ADHS und Beruf / Ausbildungsproblem ?
  • Welche Psychotherapie für ADHS bei Erwachsenen gibt es ?
  • Hilfe für ADHS und Probleme beim Schlaf

Antwort:

ADHS Klinik für Erwachsene / Stationäre Rehabilitationsbehandlung für REHA für Erwachsene mit ADHS

Dr. Martin Winkler, Oberarzt Psychosomatik Saale-Klinik 1 in 06628 Bad Kösen

Ausgehend von den Vorerfahrungen im Bereich in einer anderen ADHS Klinik für Erwachsene entwickele ich seit August 2013 ein störungsspezifisches ADHS Reha Angebot für Erwachsene mit ADHS und Begleit- und Folgestörungen für die psychosomatische Rehabilitationsklinik Saale 1 in Bad Kösen mit einem eigenen ADHS Schwerpunkt für Erwachsene

 

Kontakt für Rückfragen :

Dr. Martin Winkler

Saale Klinik 1 Bad Kösen

Psychosomatik

Am Rechenberg 18

06628 Bad Kösen

Tel. 034463-41-178

Email : martin.winkler@uglielje.de

Konzept zur stationären medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation bei Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) und Folgestörungen

  • ADHS Klinik mit Ausrichtung auf die emotionale Empfindsamkeit bzw. Stimmungsschwankungen bei ADHS
  • Schwerpunkt ADHS und Beruf / Ausbildung bei Jugendlichen und Erwachsenen
  • stationäre Psychotherapie und Medikation in der ADHS Klinik für Erwachsene
  • ADHS und REM-Schlafstörungen bzw. nicht erholsamer Schlaf
  • Berücksichtigung der Stärken und Ressourcen bei ADHS Erwachsenen (speziell auch die Fähigkeit in Bildern zu Fühlen, Kreativität, Spontanität, Umstellungsfähigkeit )
  • spezielle Erfahrung im Bereich Traumatisierung / Dissoziation durch die lebenslange ADHS-Disposition

Hintergrund ADHS bei Erwachsene [1]

 

Die Bedeutung von ADHS in der medizinischen Rehabilitation einer ADHS Klinik für Erwachsene

 

Als Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. ADHS-Spektrum wird eine neuropsychiatrische Entwicklungsstörung mit Beginn im Kindes- bzw. Jugendalter im Bereich der Aufmerksamkeitssteuerung, Impuls- und Emotionsregulation sowie fakultativ auch motorischer Unruhe bezeichnet (Bundesärztekammer 2005, S. 5).

 

Aktuelle Studien gehen davon aus, dass ca. 3-4 Prozent aller Erwachsenen die diagnostischen Kriterien für eine bis in das Erwachsenenalter persistierende ADHS-Symptomatik im Sinne einer klinisch relevanten Krankheitssymptomatik aufweisen. Die diagnostische Prävalenz liegt aber derzeit noch unter 0,5 % (Sobanski et al. 2013)so dass die Mehrzahl der Patienten entweder überhaupt nicht diagnostiziert bzw. bisher unter mit primär anderen Diagnosen (beispielsweise bipolare affektive Störungen, rezidivierende depressive Störungen, Generalisierte Angststörung, emotional-instabile Persönlichkeitsstörungen) eine störungsspezifische Behandlung unterbleibt.

Insgesamt geht man aber davon aus, dass mindestens 10 -20 Prozent aller Klienten in medizinischen oder beruflichen Rehabilitationsmaßnahmen über neuropsychologische Störungen bzw. Entwicklungsbesonderheiten aus dem ADHS-Spektrum bzw. mit zusätzlichen Wahrnehmungs- und Teilleistungsstörungen aufweisen.

 

Während man früher primär im Sinne einer Hyperkinetischen Störung Auswirkungen wie Unruhe, Störverhalten in der Schule bzw. sekundäre Auswirkungen im Sinne von Delinquenz bzw. Suchtentwicklung mit dieser häufigsten kinderpsychiatrischen Störung in Verbindung brachte, wird heute zunehmend die Beeinträchtigung der höheren Handlungsfunktionen (sog. Exekutivfunktionen) erkannt (Nigg et al. 2005). Diese führen zu erheblichen Beeinträchtigungen in der Selbststeuerung bzw. Selbstständigkeitsentwicklung, zu einer erhöhten Reizoffenheit bei Reizfilterschwäche sowie der Emotionsregulation (affektive Labilität bzw. intermittierende Dysphorie) und damit auch zu ganz erheblichen Beeinträchtigungen der beruflichen und sozialen Teilhabe. Neben häufig anzutreffenden Problemen der Alltagsorganisation resultieren so häufig Schlafstörungen, Erschöpfungssyndrome bzw. auch eine erhöhte Unfallgefährdung sowie Morbidität (Wilens et al. 2009, Mahajan et al. 2010, Young & Gudjonsson 2008, Barbaresi et al. 2013).

 

Häufig gelingt es den Klienten nicht, eine begabungsadäquate Schul- und Berufsausbildung zu erreichen, häufige Arbeitsplatzwechsel aufgrund von Kündigungen bzw. „ungerade Lebensläufe“ typisch. Speziell im Kontext der medizinischen bzw. beruflichen Rehabilitation besteht noch eine unsichere Datenlage. In einer Erhebung des Berufsförderungswerks Hamburg hatten 51 von 248 RehabilitandInnen (20,6%) retrospektiv ein ADHS im Kindesalter, wobei Frauen wie Männer gleichsam betroffen waren. Bei keinem der Klienten war dies im Vorfeld der Maßnahme bekannt (Reich-Schulze 2012). Bekannt ist, dass eine unbehandelte ADHS-Konstitution zu signifikant häufigeren Ausbildungsabbrüchen bzw. Kündigungen führt, die Klienten weisen etwa 22 Fehltage pro Jahr mehr auf und weisen eine erhebliche reduzierte Produktivität aufgrund der neuropsychiatrischen Kern-und Folgeprobleme auf. Dabei steht die ADHS erst am Beginn ihrer Berücksichtigung als neurophysiologische Kondition, welche die Integration der Betroffenen in den Arbeitsmarkt erschwert sowie ihre Abhängigkeit in den Sozialsystemen verstärkt (Positionspapier ADHS-Deutschland 2013).

Zusätzlich sind eine erheblich gesteigerte Unfallgefährdung gerade für schwere Unfälle, sowie ein erhöhtes Suchtrisiko unter rehabilitationsmedizinischen Gesichtspunkten relevant. So weisen ADHS-Patienten ein erhöhtes Risiko für eine Nikotinabhängigkeit auf (Frei, Hornung, & Eich 2010)bzw. sind aufgrund des deutlich verfrühten Erstkonsums in besonderem Maß hinsichtlich einer entsprechenden negativen Gesundheitsentwicklung mit entsprechenden kardiovaskulären Folgeerkrankungen bzw. Lungenschädigung bzw. Karzinomentwicklung gefährdet. Weitere stoffgebundene Süchte (speziell Cannabis- und Alkoholabhängigkeit im Sinne einer dysfunktionalen Selbstmedikation) sollten in speziell ausgerichteten suchttherapeutischen Einrichtungen therapiert werden. Darüber hinaus ist auch ein gesteigerter pathologischer Computer- und Internet-Gebrauch bzw. Glückspielabhängigkeit bekannt (Yen et al. 2009).

 

Ursachen der Dekompensation im Erwachsenenalter im Zusammenhang von ADHS und Beruf

Aufgrund der lebenslangen Disposition bzw. die Entwicklungsverzögerung fehlt den Betroffenen häufig eine adäquate Selbstwahrnehmung, so dass eine angemessene Einschätzung der eigenen Leistungs- und Empathiefähigkeit misslingt, bzw. bei starker Außenorientierung ein ständiges Feedback durch andere Personen erforderlich bleibt. Unterbleibt aber mit dem Übergang in weiterführende Ausbildung bzw. Berufstätigkeit die durch die Eltern häufig vorgegebene wertschätzende ständige Aufforderung zur Anstrengungsbereitschaft bzw. treten bei zunehmenden Anforderungen an die Selbstständigkeit hier auch zunehmend Kritik auf, resultiert nicht selten ein rasches Nachlassen der Anstrengungsbereitschaft. In diesen Phasen resultieren häufig Schul- und Ausbildungsabbrüche, aber auch eine Vernachlässigung von häuslichen Pflichten, sozialer Kontakte bis hin zur Selbstversorgung und Körperhygiene.
Die Fähigkeit zur Selbstüberwachung bzw. Handlungsplanung ist dabei ein Beispiel für mehrere Störungen der höheren Handlungsfunktionen (Exekutivfunktionsstörungen), die dann zu erheblichen Teilhabeproblemen im Alltag und natürlich besonders im Beruf führen müssen.

 

 

Zunächst versuchen die Betroffenen über verschiedenste Kompensationsmechanismen (Perfektionismus, lange Arbeitszeiten, Verantwortungsübernahme für zusätzliche Aufgaben) die wahrgenommenen Probleme zu kompensieren bzw. zu überdecken. Dies führt aber letztlich zu einer Selbstüberforderung.

Fehlen oder verändern sich wichtige günstige (protektive) Faktoren, wie strukturiertes und stabiles familiäres Umfeld, stabiler Freundesreis, Förderung individueller Interessen und Herausforderungen, günstige Lehrer-Kind-Interaktion, so kann die Persönlichkeitsentwicklung des ADHS-Betroffenen damit zusätzlich nachhaltig gestört werden. Nicht Anerkennung und Erfolge, sondern wiederholte Misserfolge in der Bewältigung scheinbar trivialer Alltagsanforderungen kennzeichnen häufig ihre Entwicklung und tragen zu einer negativen Selbststeuerung und fehlender Selbstwirksamkeitserwartung bei.

Häufig finden sich bereits seit der frühesten Kindheit Regulationsstörungen bzw. Probleme beim Schlaf. Die daraus resultierenden Probleme bei ADHS und Schlafproblemen (REM-Schlaf-Fragmentation), Ein- und Durchschlafstörungen bzw. Probleme beim Aufwachen und der Energie am Tag erfordern einerseits eine Tagesstrukturierung, aber auch störungsspezifische Behandlungsansätze.

 

ADHS-spezifische Diagnostikinstrumente

Neben der üblichen psychosomatischen Anamneseerhebung kommen ggfs. spezielle syndromspezifische Diagnostikinstrumente zum Einsatz. Dabei ist aber zu beachten, dass sich eine ADHS-Symptomatik nicht testpsychologisch verifizieren oder ausschließen lässt, sondern eine klinisch zu stellende Diagnose darstellt, die sich vor allem auf eine gründliche Erhebung von Beschwerden in der Kindheit sowie fremdanamnestischen Angaben stürzt.

 

Neben syndromtypischen Einschränkungen sind gleichbedeutend Teilleistungs-Stärken bzw. Ressourcen und bisherige erfolgreiche Bewältigungs- und Anpassungsbemühungen zu erfragen und zu dokumentieren.

 

Das ADHS-Screening Verfahren (Adult ADHD Self-Report Scales, ASRS) ist als Screening-Verfahren für die Erstdiagnostik von ADHS im Erwachsenenalter etabliert (World Health Organization 2004). Sollte eine entsprechende Screening-Diagnose positiv verlaufen, jedoch noch keine ADHS-Diagnose in der Kindheit gestellt sein, erfolgt eine weiterführende integrierte Diagnostik mit dem IDA-Fragebogenset (Retz et al. 2013).

 

Hier wird eine Bewertung der ADHS-Symptomatik in der Kindheit bzw. der gegenwärtigen Symptomatik sowie sog. Akzessorischer Symptome wie Stimmungsschwankungen, oppositionell-trotzigem Verhalten bzw. Störungen des Sozialverhaltens vorgenommen.

 

Weitere störungsspezifische Fragebögen (mit ähnlicher Ausrichtung) wären das HASE-Fragebogen-Set (Rösler et al. 2008) bzw. die darin integrierten Diagnostikinstrumente der Wender-Utah-Rating-Scale (WURS) bzw. den Wender-Reimher-Interviews (Corbisiero, Buchli-Kammermann & Stieglitz 2010). Für die Beurteilung der Störungen der Exekutivfunktionen eignet sich häufig die Brown-ADD-Scale besser (Brown 2011).

 

Im Rahmen der individualisiertenTherapieplanung werden dann in der ADHS Reha mit dem Patienten etwaige Vordiagnostik bzw. Vorbehandlungen besprochen.

 

Hierzu werden speziell die funktionellen Beeinträchtigungen im Alltag anhand eines diagnostischen Interviews mit der Weiss-Functional-Impairment-Scale (WFIRS-S, Weiss 2000) eine Bewertung vorgenommen.

 

Abgefragt werden hier syndromtypische Probleme in den Bereichen Ausbildung und Beruf (Erfüllung von Pflichten, effektives Erledigen von Arbeiten), Probleme mit Vorgesetzen, drohender Verlust der Arbeitsstelle, Probleme bei Teamarbeit), Verspätungen und Unpünktlichkeit), Probleme in der Leistungsumsetzung, schlechte Zeugnisse etc), Lernprobleme (z.B. Probleme in der Mappenführung, Erledigen von Hausaufgaben oder schriftlichen Arbeiten, Fehlzeiten, Teilleistungsstörungen), Probleme im Bereich von Alltagsfertigkeiten und Familie sowie im Bereich der Emotionsregulation und Selbstwert. Schließlich erfolgte eine gezielte Abfrage hinsichtlich sozialer Probleme und Risikoverhalten.

 

Hieraus wird dann eine individualisierte (eigene) Erstellung von realistischen Therapiezielen vorgenommen und im Behandlungsplan dokumentiert.

 

Funktionseinschränkungen durch ADHS

Im Sinne der funktionalen Gesundheit, wie in der International Classification of Health and Functioning definiert (World Health Organization 2005), bewirkt die neurobiologisch bestimmte ADHS-Disposition im Zusammenhang mit den begleitenden Teilleistungs- und Wahrnehmungsstörungen sowie den Folgeproblemen der lebenslangen Kompensationsanforderungen bzw. eine erhebliche Krankheitsrelevanz. Syndromtypisch ist dabei, dass die individuelle Leistungsfähigkeit dabei stark von den Kontextfaktoren abhängig ist. Das eigentliche Begabungsprofil und eigene Engagement kann so nicht begabungsadäquat umgesetzt werden. Typisch ist, dass eine Veränderung der Kontextfaktoren (z.B. nach Scheidung, Kündigung einer Sekretärin oder Wechsel der Vorgesetzten) bzw. zunehmende Anforderungen an die höheren Handlungsfunktionen im Übergang zu Lehre bzw. eigenverantwortlicherer Tätigkeit zur Problematik führt.

 

Erwachsene mit einer ADHS-Konstitution weisen in aller Regel in Abhängigkeit von den individuellen Kontextfaktoren in nahezu allen beruflich relevanten Bereichen typische rehabilitationsrelevante Fähigkeitsstörungen auf. Diese sollen anhand der Subskalen des Mini-ICF Rating (Linden & Baron 2005)dargestellt werden:

 

 

 

1. Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen

Häufig gelten ADHS-Klienten als „schwierig“ bzw. unangepasst. Sie benötigen sehr klare, strukturierte Anweisungen und Vorgaben. Besonders wichtig sind dabei sinnerfassende und einen emotional positiven Bezug zur Aufgabe bzw. Person schaffende Instruktionen. Während viele ADHS-Klienten eine sehr rasche Auffassungsgabe mit entsprechend guten Ergebnissen in der Anfangsphase haben, fällt häufig mit zunehmender Tätigkeitsdauer ein Ermüden bzw. Nachlassen auf

 

2. Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben

 

Syndromtypisch ist die Desorganisation insbesondere im Umgang mit Zeitwahrnehmung, aber auch Organisation und Erledigen von schriftlichen Aufgaben. Für Aussenstehende schwer verständlich ist dabei, dass die Strukturierung für andere Personen häufig gut gelingt (z.B. als Sekretärin, Abteilungsleiter etc), in Hinblick auf die Selbststeuerung aber ein Aufschieben (Prokrastination) oder ungleichförmiges Erledigen von Aufgaben auffällt.

 

3. Flexibilität und Umstellungsfähigkeit

Im Grunde liegt hier zunächst eine Stärke bzw. Ressource von vielen ADHS-Klienten, da sie sich rasch auf neue Aufgabenstellungen einstellen können. Allerdings misslingt häufig eine Anpassung an externe Vorgaben, deren Sinn nicht erfasst werden kann. Gerade bei einem Wechsel von Vorgesetzten bzw. innerbetrieblichen Veränderungen (z.B. Normierung von Arbeitsabläufen im Rahmen einer innerbetrieblichen Zertifizierung) treten hier erhebliche Probleme auf.

 

4. Pünktlichkeit

Eine der Hauptauffälligkeiten sind häufige Verspätungen bzw. mangelhaftes Zeitmangagment. Nicht selten mitbestimmt durch eigene Schlafstörungen bzw. einen verschobenen Tag-Nacht-Rhythmus. Typisch ist das Erledigen von Aufgaben „auf den letzten Drücker“ bzw. wiederholte Ermahnungen von Vorgesetzten zur Einhaltung von Fristen.

 

5. Anwendung von fachlicher Kompetenz

Fast immer wird ADHS-Erwachsenen bescheinigt, dass sie über eine gute bzw. sogar aussergewöhnliche fachliche Kompetenz verfügen. Es gelingt aber nicht, diese Leistungsfähigkeit situationsangemessen und vor allem persistent (ausdauernd) abzurufen bzw. anzuwenden. Auch nach eigener Einschätzung bleiben die ADHS-Erwachsenen damit weit unter ihrem begabungsadäquaten Leistungsvermögen.

 

 

 

6. Entscheidungen treffen

Es fällt vielen ADHS-Betroffenen sehr schwer, rational nachvollziebare Entscheidungen zu treffen. Dies hängt u.a. mit Besonderheiten im Belohnungssystem zusammen. Eine starke innere Ambivalenz bzw. Aufschieben von wichtigen Entscheidungen führen häufig zu entsprechenden Problemen bzw. auch Versäumen von entsprechenden Fristen

 

7. Durchhaltefähigkeit

Wie bereits zuvor dargestellt, fallen viele ADHS-Erwachsene mit einer rasch und häufig auch schlagartig abfallenden Daueraufmerksamkeit bzw. raschen Ermüdbarkeit auf. Gerade monotone und fremdbestimmte Aufgabenstellungen können so nur mit einem hohen inneren Kraftaufwand erledigt werden. Häufig werden verschiedene Aufgaben angefangen, aber letztlich nicht abgeschlossen.

 

8. Kontakte bzw. Konflikte mit Dritten

Vielfach führt die gesteigerte Impulsivität bzw erhebliche emotionale Regulationsstörung zu interaktionellen Konflikten mit Kollegen und insbesondere Autoritätspersonen. Hieraus resultieren wiederholte Jobwechsel aber auch interaktionelle Konflikte im Sinne von Mobbing-Erfahrungen.

 

9. Selbstbehauptung

Aufgrund wiederholter Misserfolge bzw. geringer Selbstwirksamkeitserwartungen bei defizitärer eigener Selbststeuerung weisen ADHS-Klienten häufig geringe Selbstbehauptungskompetenzen auf. Häufig ist dabei ein sozial als unangemessen wirkendes Auftreten aus eigener Unsicherheit mit einem fordernden, teils aggressivem Auftreten zu verzeichnen. Hier ist eine Unfähigkeit zum Perspektivenwechsel bei egozentrischer Wahrnehmung relevant, da es für die Betroffenen häufig unmöglich ist, die Auswirkungen ihres Verhaltens auf andere Personen richtig einzuschätzen. Sie erleben dann die Reaktionen ihrer Umgebung auf ihr Auftreten wiederum als Kränkung bzw. Zurückweisung.

 

10. Gruppenfähigkeit

Viele ADHS-Patienten haben wiederholt die Erfahrung gemacht, dass sie in sozialen Gruppen nicht dazu gehören bzw. „anders als die Anderen“ sind. In einer Gruppe von ADHS-Betroffenen untereinander erleben sie dabei erstmals ein Gefühl von Zugehörigkeit bzw. Verständnis.

 

11. Selbstpflege

Bei vielen – speziell alleinstehenden – ADHS-Klienten ist eine Vernachlässigung der Selbstpflege bis hin zur Körperhygiene oder Gesundheitsversorgung auffällig. Neben einer sehr unregelmäßigen Ernährung (häufig Auslassen des Frühstücks) fallen die Vernachlässigung von Zahnhygiene bzw. gesundheitsförderlichem Verhalten mit Zahnarzt- bzw. Vorsorgeuntersuchungen auf.

 

12. Erholung

Relativ charakteristisch für ADHS-Betroffene ist die mangelnde Erholungsfähigkeit am Wochenende oder zu Beginn eines Urlaubs. Sie fühlen sich ständig „unter Strom“ oder stehen innerlich noch unter Druck wegen unerledigter Aufgaben, die möglicherweise im Urlaub auffallen könnten. Häufig werden dann in Ruhephasen psychovegetative Beschwerden wie Übelkeit oder Kopfschmerzsyndrome angegeben.

 

 

 

Rehabilitationsziele in einer ADHS Klinik für Erwachsene

 

Ziele der medizinischen Rehabilitation bei ADHS sind daher

 

· Der Erwerb von Basiswissen der Krankheit,

· Die Aneignung adäquater subjektiven Einstellungen zur Krankheitsbewältigung,

· Die nachhaltige Förderung von sportlichen Aktivitäten und gesunde Freizeitaktivitäten,

· Die Stärkung der Gefühle der Selbstwirksamkeit,

· Verbesserung der affektiven Symptomatik,

· Die Verbesserung kommunikativer Kompetenzen in Bezug auf die Krankheit mit Ehepartnern, Freundinnen und Freunden, Ärzten und Ärztinnen sowie Arbeitskollegen und -kolleginnen,

· Vermittlung von störungsspezifischen Fertigkeiten im Umgang mit den syndromtypischen Störungen der höheren Handlungsfunktionen (Exekutivfunktionen),

· Vermittlung von funktionalen Konfliktbewältigungsfertigkeiten,

· Überprüfung und ggfs. Neueinstellung der Pharmakotherapie,

· Unterstützung bei sozialrechtlichen Fragestellungen mit Schwerpunkt Ausbildung und Beruf,

· Lotsenstellung in Hinblick auf die Förderung der beruflichen Leistungsfähigkeit einschliesslich etwaiger beruflicher Teilhabeleistungen.

 

 

 

 

Multimodales Therapiekonzept bei ADHS im Erwachsenenalter

 

Das Behandlungsprogramm für ADHS und komorbide Störungen ist in der psychosomatischen Rehabilitation eingebettet und stellt deren Ergänzung dar. Das Programm stützt auf folgenden Säulen (Siehe Tabelle 1, unten):

 

· Eine detaillierte psychotherapeutische Anamnese,

· Einer allgemeinen ADHS-Informationsgruppe,

· Einer störungsspezifischen Fertigkeitengruppe (ADHS für ADHS-Betroffene),

· Psychotherapeutische Einzelgespräche,

· Gruppenpsychotherapie in der Interaktions- und Problemlösegruppe oder weiteren Indikationsgruppen (Depression, Angst, Konfliktlösegruppe, Arbeitsplatzprobleme),

· Einer umfassenden ärztlichen Begleitung hinsichtlich der Pharmakotherapie (ggfs. Überprüfung der Medikation, Ersteinstellung mit Psychostimulantien oder Atomoxetin), Behandlung der psychiatrischen Komorbiditäten,

· Entspannungsverfahren (Schwerpunkt achtsamkeitsbasierte Verfahren), bei Interesse aber auch Progressive Muskelentspannung bzw. Autogenes Training,

· Aktivierung über sportliche Therapieangebote,

· Erlebnisorientierte Angebote, wie z. B. Kunsttherapie bzw. Musiktherapie,

· Ernährungsberatung,

· Beratungsangebote des Sozialdienstes u. a. für sozialrechtliche Fragestellungen mit einem Schwerpunkt auf weiterführende Hilfsangebote zur beruflichen Teilhabe.

 

Bei spezieller Indikationsstellung werden darüber hinaus eine Bearbeitung von Hilflosigkeitserfahrungen bzw. traumatischen Erfahrungen mittels imaginativer Stabilisierungstechniken angeboten.

 

Gruppe ADHS und Beruf:


In der ADHS-gruppe wird dem Patienten zu einem differenzierteren Krankheitsverständnis auf neurobiologischer Grundlage vermittelt. Ein Schwerpunkt liegt darin in einer Vermittlung von wirksamen Strategien im Umgang mit Beeinträchtigungen höherer Handlungsfunktionen (Exekutivfunktionen) im Bereich Aufmerksamkeitssteuerung, Handlungsorganisation, Emotionsregulation, Kommunikation und Konflikten.

 

Das Konzept ist verhaltenstherapeutisch an entsprechenden Therapiemanualen von Safren et al, Neuhaus und Tuckman orientiert. Integriert in das Modul ist die Einführung und regelmäßige Einübung in die Achtsamkeit mit und ohne Bewegungs- und Imaginationselementen. Vorrangige Ziele sind eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung, der Selbststeuerung und Aufmerksamkeitslenkung.

Zusammen mit den anderen Therapieoptionen der Klinik richten wir uns nach der neuen Leitlinie mit definierten ETMs zur Behandlung von Depressionen (Deutsche Rentenversicherung Bund 2011).

 

Tabelle 1: Therapiegruppe ADHS und Beruf: Chef in eigener Sache

 

Modul

Therapieziele

Inhalte

 

Stärken und Ressourcen

Veränderungsmotivation

· Heranführung an die Ziele der Gruppe

· Aktivierung der Therapiemotivation

· Stärkung der Adhärenz

· Aufbau der therapeutischen Beziehung

· Aktivierung der Selbsthilfefähigkeit der Gruppe

 

· Einführung in die Therapie:

· Zielklärung

· Adhärenzbildende Maßnahmen

 

 

Selbstaktivierung und Handlungsmotivation bei ADHS im realen Kontext

· Aktivierung salutogenetische Potenziale und Achtsamkeit

· Unterstützung der Reaktivierung und des Aufbaus innere Einstellungen und Wertehaltungen.

· Fühlen in Bildern

· Reflexion der psychosozialen Hintergründe und Kontexte

 

· Positive Psychologie / Salutogenese

· Achtsamkeitsbasierte Therapie

· Emotionslandkarte bzw. Übersetzen von Gefühlen in innere Bilder ->

· Individueller Therapieweg

 

 

Kommunikation und Soziale Interaktion Schwerpunkt Beruf

· Verbesserte Alltagsbewältigung . Stärkung der interaktionellen Kompetenzen

 

· Zuhören und Anweisungen verstehen

· Wiedergeben von Anweisungen

· Äußern von Kritik

 

Aufmerksamkeitssteuerung und Reizoffenheit

· Unterstützung der sensorischen Wahrnehmungsfähig-keit; Reaktivierung früherer Kompetenzen in diesem Bereich

· Stimuluskontrolle

· Anpassung des Arbeitsplatzes

· Umgang mit Reizoffenheit

· Aufmerksamkeits-
steuerung bei ADHS

 

Planung und Setzen von Prioritäten und Umgang mit Zeit

· Hilfen zur Selbststrukturierung im Alltag und Beruf

· Wecker / Timer

· Tagesplaner

· To-do-Listen

 

Arbeitsgedächtnis und Prospektives Gedächtnis

· Alltagsrelevante Hilfen bei Störungen des Arbeitsgedächtnisses und des Prospektiven Gedächtnisses

· Was ist prospektives Gedächtnis ?

· Typische Schwierigkeiten

· Auswahl von Strategien

· Externe Hilfen

· Kontrolle

 

Umgang mit Stress

· Ursachen von Stress bei ADHS

 

· Typische Auslöser

· Hilfsmittel zur Alltagsorganisation

· Sport als Ressource

 

Emotionale Regulationsstörungen und Impulsivität

Erschöpfung und Fatigue

· Auswirkungen der emotionalen Dysregulation bei ADHS

· Auslöser von Konflikten erkennen

 

· Kognitive Neubewertung

 

Berufliche Teilhabe und ADHS

· Spezielle Probleme der beruflichen Teilhabe

· Fördermöglichkeiten

 

· Information unter Einbeziehung des Sozialdienstes

 

Transfer und Rückfallprophylaxe

· Zusammenfassung

· Weiterbetreuung

· Selbsthilfeorganisation

· Rückfallprophylaxe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Literatur

 

ADHS-Deutschland eV ADHS bei Erwachsenen – ein Positionspapier der Selbsthilfe. Neu-Bartmann, Skrodzki, Streiff (2013) http://www.adhs-deutschland.de/PortalData/1/Ressources/pdf/4_8-$-politik/ADHS_im-Erwachsenenalter_-_ein_Positionspapier.pdf

Barbaresi, W. J., Colligan, R. C., Weaver, A. L., Voigt, R. G., Killian, J. M., & Katusic, S. K. (2013). Mortality, ADHD, and psychosocial adversity in adults with childhood ADHD: a prospective study. Pediatrics 131: 637-644.

Brown, T. 2011. Brown Attention Deficit Disorder Scales for Adults. San Antonio, TX: PsychCorp/Pearson.

 

Bundesärztekammer (2005). Stellungnahme zur Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS). http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/ADHSLang.pdf.

 

Corbisiero, S. Buchli-Kammermann, J. & Stieglitz, R.-D. (2011). Reliabilität und Validität des Wender-Reimherr-Interviews (WRI) Ein Instrument zur Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter. Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, 58 (4), 2010, 323–331.

Deutsche Rentenversicherung Bund (2011). Reha-Therapiestandards Depressive Störungen: Leitlinie für die medizinische Rehabilitation der Rentenversicherung. Berlin: DRV Bund.

Frei, A., Hornung, R., & Eich, D. (2010). Tabakkonsum bei Erwachsenen mit ADHS. Nervenarzt 81: 860-866.

Linden, M. & Baron, S. (2005). Das Mini-ICF-P Rating für psychische Störungen (Mini-ICF-P). Rehabilitation (Stuttg) 44: 144-151.

Mahajan, N., Hong, N., Wigal, T. L., & Gehricke, J. G. (2010). Hyperactive-impulsive symptoms associated with self-reported sleep quality in nonmedicated adults with ADHD. J Atten.Disord. 14: 132-137.

Neuhaus, C., Trott G. et al (2009). Neuropsychotherapie der ADHS

Nigg, J. T., Stavro, G., Ettenhofer, M., Hambrick, D. Z., Miller, T., & Henderson, J. M. (2005). Executive functions and ADHD in adults: evidence for selective effects on ADHD symptom domains. J Abnorm.Psychol 114: 706-717.

Reich-Schulze, E. (2012). ADHS in der beruflichen Rehabilitation. Behandlungs- und Ausbildungsalltag am BFW Hamburg. Vortrag, ADHS-Messe, 5.-6.Mai 2012, Neubrandenburg.

Retz, W., Retz-Junginger, P., Romer, K., & Rosler, M. (2013). Standardisierte Skalen zur strukturierten Diagnostik der ADHS im Erwachsenenalter. Fortschr Neurol Psychiatr 81: 381-389.

Rösler, M., Retz-Junginger, P., Retz, W. & Stieglitz, R.-D. (2008). Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene (HASE). Manual. Göttingen: Hogrefe.

Sobanski, E., Retz, W., Fischer, R., Ose, C., Alm, B., Hennig, O. et al. (2013). Treatment adherence and persistence in adult ADHD: Results from a twenty-four week controlled clinical trial with extended release methylphenidate. Eur.Psychiatry.

Tuckman, A (2009) Understand Your Brain Get more done. The Executive Functions Workbook Speciality Press

Weiss, M. 2000. Weiss Functional Impairment Rating Scale Self-Report (WFIRS-S). Vancouver: University of British Columbia.

Wilens, T. E., Biederman, J., Faraone, S. V., Martelon, M., Westerberg, D., & Spencer, T. J. (2009). Presenting ADHD symptoms, subtypes, and comorbid disorders in clinically referred adults with ADHD. J Clin Psychiatry 70: 1557-1562.

World Health Organization (2004). Screening-Test mit Selbstbeurteilungs-Skala V1.1 für Erwachsene mit ADHS (ASRS-V1.1). http://www.hcp.med.harvard.edu/ncs/ftpdir/ adhd/6Q_German_final.pdf. Letzter Zugriff am 06.01.2014.

World Health Organization (2005). Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit ICF. Genf: World Health Organization.

Yen, J. Y., Yen, C. F., Chen, C. S., Tang, T. C., & Ko, C. H. (2009). The association between adult ADHD symptoms and internet addiction among college students: the gender difference. Cyberpsychol.Behav 12: 187-191.

Young, S. & Gudjonsson, G. H. (2008). Growing out of ADHD: the relationship between functioning and symptoms. J Atten.Disord. 12: 162-169.

 

 

 

[1]Mit den in diesem Konzept einer ADHS Reha Klinik für Erwachsene verwandten Personen- und Berufsbezeichnungen sind, auch wenn sie nur in einer Form auftreten, gleichwertig beide Geschlechter gemeint.

ADHS Erwachsene
(wird auf einer neuen Seite gezeigt)
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