Viele Eltern versuchen nach der Diagnosestellung eines Hyperkinetischen Syndroms (HKS) bzw. ADS/ADHS zunächst über "natürliche" bzw. alternative Heilbehandlungen eine Veränderung der Symptomatik. Tatsächlich ist häufig in den ersten Tagen bis Wochen auch eine "Veränderung" zu beobachten.
Diese Veränderung kann sehr viele Ursachen und Einflussfaktoren haben. Das Kind spürt z.B., dass ihm geholfen werden soll, die Eltern fühlen sich nicht mehr ganz so hilflos und es erscheint eine Möglichkeit positiv nach vorne zu schauen. Diese Einflussfaktoren kann und sollte man nutzen. Sie sind aber wohl nicht so sehr auf das Präparat zurückzuführen. Vielmehr ändert sich die Einstellung und damit das Verhalten.
Daher gibt es auch durchaus Ärzte und Psychotherapeuten, die ein solches Mittelchen als probate Therapie mit einsetzen. Problematisch wird es aber, wenn statt einer effektiven Medikation mit Psychostimulanzien oder Atomoxetin eben ausschliesslich alle Hoffnung auf ein homöopathisches Wunder gesetzt wird und vorschnell den Werbeversprechungen geglaubt wird.
Egal, welche natürliche Therapieoption man favorisiert, so wird sich in der Zuwendung bzw. Reaktion auf das Kind im Prozess der homöopathischen Behandlung eine kurzzeitige Veränderung ergeben, die man auch als Placebo-Effekt bezeichnet.
Leider haben bisherige Studien keine überzeugenden Hinweise ergeben, dass es einen langfristigen, d.h. auf die Entwicklung des Kindes langfristig förderlichen, Effekt gäbe.
Wichtig ist ja dabei, dass es nicht um die Beseitigung einer störenden Unruhe geht. Vielmehr geht es darum, wie sich die Kinder selber fühlen und entwickeln können!
Aktuell untersuchte eine doppelblinde kontrollierte Studie den Effekt einer Bachblüten-Therapie bei hyperaktiven Kindern. Dabei wurde kein Unterschied zwischen den mit Placebo und mit Bachblüten behandelten Kindern nachgewiesen.
Bachblüten bei ADHS?
Ähnlich ernüchternd sind die Erfahrungen mit einem angeblich hoöopathischen Mix-Präparat namens Zappelin (R). Während klassische Homöopathen gerade die individuelle Auswahl der eingesetzten Substanzen propagieren, wird bei diesem Mittel eine Mixtur angewandt. Derzeit erfolgt eine sehr umfangreiche Werbung für das Präparat. Leider halten aber ähnlich wie bei Bachblüten anfängliche "Erfolge" nicht an. Daher berichten praktisch alle Eltern aus Selbsthilfegruppen, dass dieses Präparat eine teure und nutzlose Erfahrung war.