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KOM2002 (question)  Depressionen bei Arbeitslosen

To: Nachrichten

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reply Re: Depressionen bei Arbeitslosen , Martin Winkler , 15 Nov 2005 08:24
question Depressionen bei Arbeitslosen , 9lvxxt7n31 , 14 Nov 2005 18:13
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Depressionen bei Arbeitslosen
From: 9lvxxt7n31
Date: Mon, 14 Nov 2005 18:13:40 +0100
Language: German

 


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question
Wie ensteht eine Depression bei einem Arbeitslosen?
Was für eine Depresion ensteht? Warum ensteht diese Depression, Ursache? Was sind erste Anzeichen einer Depression? Wie bewältigt man eine Depression? Ist ein vermindertes Selbstvertrauen auf eine depression zurück zu führen?
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Re: Depressionen bei Arbeitslosen (Reply to: 55878 from 9lvxxt7n31 )
From: Martin Winkler
Date: Tue, 15 Nov 2005 08:24:33 +0100
Language: German

 


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Der Verlust einer Arbeitsstelle ist nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen ein tiefgreifendes Ereignis, dass durchaus auch psychische Auswirkungen haben kann. Sicher macht es dabei einen Unterschied, in welchem Alter bzw. in welcher wirtschaftlichen Situation eine solche Belastung auftritt und welche Bewältigungsstrategien im Umgang mit schwierigen Lebensereignissen der oder die Betroffene kennt und anwenden kann bzw. welche Unterstützung zur Verfügung steht.

Bei einer durch ein akutes Ereignis ausgelösten Depression spricht man entweder von einer sog. Anpassungsstörung (wenn es sich um eine leichtere Beeinträchtigung der Stimmung handelt), von einer reaktiv (d.h. auf das Ereignis ausgelösten) depressiven Episode oder bei chronischem Verlauf von einer Dysthymie. Hatte der Betroffene bereits früher depressive Symptome oder Episoden kann es aber auch sein, dass ein einschneidendes Lebensereignis eine neue depressive Episode einer chronisch wiederkehrenden Depression auslöst, d.h. als sog. Trigger (Auslöser) wirkt.

Zu den Ursachen könnte man viel spekulieren. Der vielleicht naheliegende Ansatz zur Erklärung wäre der Verlust von sog. Verstärkern bzw. der gewohnten Struktur, die eine sehr hohe Anforderung an eine Neuorientierung und Anpassung an die Situation erfordert.

Verstärker sind im weitesten Sinne Belohnungen bzw. Anreize, die uns positive Bestätigung geben. Auch wenn Arbeit vielleicht nicht immer angenehm ist, so gibt doch der Kontakt zu Kollegen, das Arbeitsergebnis selber, der Lohn etc. uns Bestätigung. Man gehört dazu, hat eine regelmässige Aufgabe und auch mehr oder weniger starke Anerkennung. Gerade bei älteren Arbeitslosen bzw. bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage bedeutet Arbeitslosigkeit für die psychische Situation auch eine Auseinandersetzung mit Älterwerden bzw. "Ausgrenzung". Nicht mehr gebraucht zu werden, bzw. die Hilflosigkeitserfahrungen bei der Suche nach neuer Arbeit können Gedanken und Gefühle der Resignation erzeugen. Fast zwangsläufig werden dabei die Gedanken düster und negative Selbstaussagen ("das wird nie wieder was") beziehen sich plötzlich nicht mehr allein auf die Arbeitssituation sondern auf den ganzen Menschen. Diese negative Gedanken verstärken die Depression bzw. sorgen dafür, dass sie sich im Sinne eines Teufelskreises immer weiter verstärkt.

Für die Tagesstruktur ist die Arbeit mit 8-10 h (inklusive Anfahrtwegen) ein grosser Teil des Tages bzw. des Lebens. Fällt dies weg, so sind viele Menschen zunächst damit überfordert. Sie bleiben vielleicht den ganzen Tag im Bett bzw. ziehen sich immer weiter zurück. Dies wiederum reduziert die Chance, positive Erfahrungen zu machen und erhöht die Gefahr z.B. durch Alkohol oder andere Süchte (z.B. auch dauerndes Fernsehen, Internet) die Tagesstrukturierung noch weiter zu verlieren). Der fehlende Strukturteil der Arbeit wirkt wie ein grosses schwarzes Loch, das man erstmal füllen muss.

Schliesslich bedeutet dann jede neue Situation eine besondere Anpassungserfordernis. Viele Menschen fühlen sich mit der Auseinandersetzung mit solchen negativen Lebensereignissen überfordert bzw. können nicht wirklich aktiv werden. Sie erleben sich als Opfer der Umstände und resignieren. Diese passive Bewältigung bzw. "Aushalten" ist zwar vielleicht verständlich, für die Bewältigung einer Depression aber ungünstig. Wichtig wäre es, eine möglichst aktive Rolle einzunehmen und auf sich selber aufzupassen.

Dabei sollte man das Ereignis Arbeitslosigkeit von der Gesamtpersönlichkeit mit allen Stärken und Schwächen trennen bzw. sich bewusst machen, dass man als Mensch dennoch wichtig bleibt und ist.

Zu den Frühwarnezeichen, der Therapie und weiteren Umgangsmöglichkeiten mit depressiven Störungen finden sie bei Web4health weitere Infos

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