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  Ritalin-, Concertamedikation und begleitende Therapie bei ADHS
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KOM2002 (plain)  Ritalin-, Concertamedikation und begleitende Therapie bei ADHS

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reply Re: Ritalin-, Concertamedikation und begleitende Therapie bei ADHS , ****** , 07 Feb 2005 03:13
plain Ritalin-, Concertamedikation und begleitende Therapie bei ADHS , ****** , 06 Feb 2005 23:42
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Ritalin-, Concertamedikation und begleitende Therapie bei ADHS
From: ******
Date: Sun, 6 Feb 2005 23:42:27 +0100
Language: German

 


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In meiner Schule habe ich mit mehreren ADHS Kindern zu tun.
1. Kann es angehen das Eltern die Medikation aussetzen (mehrfache Information von verschiedenen Eltern), z.B. in den Ferien, oder die Dosierung selber variieren sollen (ausprobieren)?
2. Welche begleitenden Therapiemöglichkeiten haben die Eltern bzw. die Kinder? Gesprächtherapie erscheint mir wenig sinnvoll, wird aber oft gemacht.
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Re: Ritalin-, Concertamedikation und begleitende Therapie bei ADHS (Reply to: 40671 from ****** )
From: ******
Date: Mon, 7 Feb 2005 03:13:21 +0100
Language: German

 


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Schön, dass Sie sich über die multimodale Therapie der ADHS informieren möchten. Hierunter versteht man die Kombination von verschiedenen Therapieoptionen wie eben Medikation, Psychotherapie und Pädagogik in der Behandlung von Kindern mit ADHS.

Die Schule spielt bei der Beurteilung des Therapieeffektes der Medikation eine grosse Rolle, da die früher (und z.T. heute immer noch) eingesetzten Medikamente wie Ritalin eine Wirkdauer von wenigen Stunden haben. Es ist richtig, dass einige Ärzte Therapiepausen am Wochenende und in den Ferien empfehlen. Dies ist zwar keine gängige Empfehlung mehr, wird aber noch gemacht. Einen längeren gewollten Auslassversuch empfehlen Ärzte zur Beurteilung des Therapieeffektes alle 6 bis 12 Monate. Ebenso richtig ist, dass in der Einstellungsphase der Medikation die Eltern in Absprachen mit den Ärzten die Dosis anpassen bzw. die Einnahmeintervalle variieren können. Es kann auch gut sein, dass jetzt ein länger wirkendes Methylphenidat (z.B. Concerta oder Medikinet retard) eingesetzt wird, so dass eben die Einnahme in der Schule entfällt. Idealerweise sollte dies durch Rückmeldungen der Schule unterstützt sein (hierzu müssten sich aber eben die Eltern an Sie wenden).
Davon zu unterscheiden sind ungewollte "Auslassversuche", wenn die Kinder bzw. Jugendlichen die Medikation nicht (mehr) nehmen wollen...

Die medikamentöse Therapie wird durch verschiedene begleitende Therapiemöglichkeiten gestützt. Hierbei kann man grob elternentrierte kindzentrierte, und eben schulzentrierte Massnahmen unterscheiden. Wichtig ist ein ressourcenorientiertes Vorgehen, dass die Stärken und Interessen der Kinder fördert und weniger die Defizite in den Mittelpunkt stellt.

Eine Gesprächspsychotherapie ist sicher selten bei ADHS angezeigt (bzw. kann dann eher bei den nachfolgenden Problemen wie Selbstwertproblematik bei Jugendlichen und Erwachsenen bzw. begleitenden Störungen notwendig werden). Allerdings gehört Informationsvermittlung über ADHS und ein Elterntraining (bekannter sind das THOP von Döpfner oder ein Training von Lauth und Schlottke) zu den Therapiemöglichkeiten. Auch hier wird im Gespräch den Eltern Informationen vermittelt bzw. Anleitungen z.B. zu einem Selbstinstruktionstraining für die Kinder bzw. Regeln und Belohnungssysteme vermittelt. Ideal wären störungsspezifische Therapieansätze, die jeweils bestehende Probleme gezielt erfassen und trainieren (z.B. im Umgang mit Unordnung, Regeln, Problemlösestrategien, Sozialverhalten). Diese verhaltenstherapeutisch / behavioral orientierten Therapieverfahren sind sicher effektiver als reine analytische Spieltherapien. Sie werden als Elterntraining bzw. eben als Kindertherapie angeboten. Erziehungsberatung und systemische Familientherapie können dann sinnvoll sein, wenn im Familiensystem weitere Familienmitglieder involviert sind bzw eben die Besonderheiten der ADHS-Veranlagung zu einer Verstärkung von ungünstigen Verhaltensmustern und Bewältigungsmöglichkeiten führt. Selbstverständlich auch dann, wenn eben andere familiäre Probleme eine Rolle spielen. Weniger günstig erscheinen mir aber reine Erziehungsratgeberprogramme wie Tripple P, da diese nicht die Besonderheiten von ADHS berücksichtigen (können).
Bei jüngeren Kindern kann die Ergotherapie eine Rolle spielen, obwohl diese eigentlich zu den entbehrlichen Therapieverfahren gerechnet werden sollte. Sinnvoll ist diese Therapiemöglichkeit eher bei begleitenden Wahrnehmungs- und Motorikproblemen bzw. zur allgemeinen Förderung des Selbstvertrauens. Gemessen an der Anwendungshäufigkeit wird diese Therapie aber eher zu häufig undifferenziert eingesetzt.
Durch begleitende Förderung wie z.B. Reittherapie, Musiktherapie oder Sportprogramme können Regeln und soziales Verhalten gestärkt und trainiert werden.

Für die Schule haben sich einerseits bestimmte Hilfestellungen für die Struktur (klare, kurze Anweisungen, möglichst schriftliche Notizen und Mitschriften an der Tafel), Sitzordnung (möglichst wenig Ablenkung) und eben häufiges, deutliches Feedback bewährt. Daneben kann eine gut abgesprochene Vereinbarung für Belohnungspläne bzw. "Aus-Zeit" eine Hilfe für Schüler und Lehrer darstellen.

Mehr Informationen können Sie z.B. auf der Internetseite http://www.adhs.ch erhalten.

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