Hallo,
ich habe von Deinem Problem gelesen und möchte Dir meine Gedanken dazu mitteilen - in der Hoffnung,
dass Dir das eine oder andere vielleicht hilft.
Du bist mit Deinem Freund 4 Jahre zusammen, das ist eine lange Zeit - alle Achtung! Leider ist es aber auch
ein Zeitabschnitt, in dem viele Beziehungen in eine Krise rutschen. Die Liebe hat aufgehört zu kribbeln, vieles
ist Routine geworden, und der Alltags-Stress nagt zusätzlich an der Beziehung. Mitunter werden dann auf
einmal Probleme sichtbar, die schon immer irgendwie da waren, die man aber in der Phase der Verliebtheit
ganz gut kaschieren konnte.
(Mein Mann hat z.B. ein Problem mit der taktilen Wahrnehmung, war schon als Kind ein "Blümchen-rühr-mich-nicht-
an". Als wir ca. 4 Jahre zusammen waren und er die erste wirklich stressige Phase in seinem Leben durchmachte,
wollte er plötzlich nicht mehr küssen oder sich anfassen lassen, wollte Sex am liebsten vollständig bekleidet
praktizieren. Mir gefiel das gar nicht, denn früher war er doch recht leidenschaftlich gewesen. Erst als bei
unserem ersten Kind eine Störung der Tiefenwahrnehmung diagnostiziert wurde, konnte ich mir 1 und 1 zusammenreimen.
Bis dahin hatten wir viel über dieses Thema gestritten.)
Vielleicht zeigt sich bei Euch jetzt deutlicher als früher, dass Dein Freund
mehr Sex wünscht als Du, dass Du Dich schneller unter Druck gesetzt fühlst und die Neigung hast, Dich dann
zu verschließen und im Bett quasi zu "versagen". Aber dass Dein Freund sich mit der aktuellen Situation nicht
abfinden will und auf eine Veränderung drängt, zeigt in meinen Augen, dass ihm die Beziehung wichtig ist und
er sich eine Verbesserung für Euch beide wünscht. Er droht Dir mit Trennung, wenn sich nichts ändert.
Das macht Dir Angst, aber wenn er nur Verständnis zeigt, wirst Du Dich vermutlich noch mehr abkapseln und
auch nicht öfter mit ihm schlafen. Und wenn Du mal versuchst, Dich in seine Lage zu versetzen: Wie würdest Du
reagieren, wenn Dein Freund Dir zu verstehen geben würde, dass es ihn ekelt, mit Dir Sex zu haben? Würdest Du
dann nicht auch mit dem Gedanken spielen, ob es nicht für beide Seiten besser sei, sich zu trennen?
Nun ist es durchaus normal, dass Du Sex nicht genießen kannst, wenn Du dabei Schmerzen empfindest. Hast Du
darüber einmal mit Deinem Frauenarzt gesprochen? Das würde ich möglichst schnell mal tun, denn vielleicht
lässt sich ja eine organische oder hormonelle Ursache dafür finden, die man leicht beheben kann. Vielleicht
ist es halt so, dass Du ein Gleitgel oder mal eine andere Anti-Baby-Pille brauchst. Egal wie, es sollte
hierfür eine Lösung geben, mit ständigen Schmerzen beim Sex solltest Du Dich nicht so ohne weiteres abfinden.
Bis Du das klären kannst, sprich mit Deinem Freund. Du hast hier im Forum sehr ehrlich über Deine Schwierigkeiten
berichtet - aber rede auch mit IHM. Vielleicht könnt Ihr Euch einigen, mal vorübergehend auf Techniken umzusteigen,
die per Definition keine Schmerzen verursachen, z.B. Oralverkehr - das soll ja gerade für Frauen recht befriedigend
sein. Auch muss es ja nicht immer die gute alte Missionarsstellung sein. Vielleicht kommst Du besser mit Positionen
zurecht, bei denen Du die "Sache" selber steuern kannst. Das wäre in meinen Augen auch ein Schritt für Dich, nicht
mehr das Gefühl zu haben, sich für einen Mann verbiegen zu müssen. Was hat Dir früher im Bett gefallen? Was hat
er anders gemacht? Wenn Du die Antwort auf diese Fragen kennst, könnt Ihr vielleicht an das eine oder andere
anknüpfen.
Außerdem ist es m.E. wichtig, gerade wegen des momentan schwierigen Sex-Lebens angenehme Dinge gemeinsam zu
erleben. Ein schöner Restaurantbesuch, mal gemeinsam in eine romantische Sauna oder in die warme Badewanne gehen,
um sich körperlich und emotional mal wieder anzunähern. Eine lange Beziehung braucht solche Zeremonien, sonst ist
es schwer, die Liebe zu erhalten. Und wenn man nach einem romantischen Abend dann tatsächlich Lust auf
den andere bekommt und es dann doch nicht so klappen sollte, hat man immerhin einen netten gemeinsamen stressfreien
Abend gehabt.
Mach Deinem Freund einfach ein paar Vorschläge, sag ihm, dass es nur mit ihm gemeinsam geht - Männer wollen
Probleme lösen und ich denke, Deinem Freund wird es besser gehen, wenn er etwas tun kann als nur zu warten und
nicht zu wissen, woran er wirklich ist. Nur gib nicht so schnell auf. Krisen gibt es immer wieder mal - und man
überwindet sie nur, wenn man ein bisschen für die Beziehung kämpfen kann. Ich bin seit 18 Jahren verheiratet (mit
demselben Mann!) - ich weiss, wovon ich rede.
Alles Liebe für Dich!
Adriana
P.S. Die Sache mit dem Therapeuten würde ich an Deiner Stelle erst einmal hinten anstellen. Auch die vielgepriesenen
Paartherapien - und das wissen leider die wenigsten - bringen einen Großteil der Beziehungen erst recht auseinander.
Immerhin kommen dort die Schwierigkeiten ziemlich geballt auf den Tisch eines nahezu fremden Menschen,
und eine ohnehin angeschlagene Beziehung verkraftet das im Allgemeinen schlecht.