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  Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva
  Re: Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva
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KOM2002 (plain)  Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva

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reply Re: Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva , ****** , 05 Jul 2008 08:30
plain Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva , ****** , 03 Jul 2008 13:47
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Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva
From: ******
Date: Thu, 3 Jul 2008 13:47:37 +0200
Language: German

 


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Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich an Sie in der Hoffnung, dass Ihre Erklärungen und Ratschläge eine medizinische Behandlung unterstützen können. Es geht um meine Mutter (geb. 1953), die seit 1998 krank ist. Mit der Absicht schreibe ich nur „krank“, da ich alle Missverständnisse bezüglich einer Diagnose vermeiden möchte. Eine eventuelle Diagnosestellung überlasse ich Ihnen. Nur zu erwähnen, dass meine Mutter in Bosnien-Herzegowina lebt, dass sie ein schwieriges Leben (bezogen auf die Finanzen) und wie viele andere BosnierInnen die Kriegszeit hinter sich hat. Zusätzlich bin ich der Meinung, dass sie relativ lang (bis 2004) eine sehr inkompetente medizinische Behandlung bekommen hat.

Meine Mutter hat immer relativ große Sorgen gehabt (ich würde sagen, großer als es normal wäre; ich vergleiche sie hier mit unseren Verwandten, mit drei Tante und einen Onkel).

Es fing alles im Jahre 1998 an. Das alles kam sehr plötzlich, auf ein Mal, nach einem sehr heißen sommerlichen Tag. Das war etwa wie ein Psycho-Schock oder ein körperlicher Kollaps, ein Kreislaufzusammenbruch. Meine Mutter bekam die psychischen Beschwerden, etwa wie die Halluzination; sie hat die Bilder gesehen die gar nicht existierten, z.B. dass ihr die Kinder weggenommen werden (obwohl wir alle drei, meine Schwester, mein Bruder und ich selbst schon groß waren), oder dass das Haus im Brand gestellt wird oder dass alles sich um ihr dreht, oder dass die Wände auf sie runterfallen, usw. Sie war damals sofort mit Bromazepam (10-20 mg/Tag) behandelt und mit noch welche Medikamente (leider weis ich nur, dass die andere Arzneimittel auf keinen Fall klassische Antidepressiva wie Oxetin, Fluoxetin, Paroxtein, Venlafaxin ER waren). Sie hatte auch eine psychotherapeutische Behandlung gehabt. Diese sehr schwere Episode hat 2-3 Woche gedauert. Nach ungefähr 4 Monaten ging es ihr besser. Sie hatte keine psychotherapeutische Behandlung mehr. Die medikamentöse Behandlung war reduziert, praktisch nur auf Bromazepam, den sie seitdem bis heute fast ununterbrochen in verschiedener Dosis 3-10 mg/Tag genommen hat. Die Diagnosestellung damals war, einfach ein Schock, den noch irgendwie mit den Wechseljahren verbunden war. „Es wird wohl ein paar Jahre dauern aber danach soll es alles wider gut sein“ war die letzte Erklärung der Ärzten. Keine Rede von irgendwelcher psychischen Erkrankung.

Leider nachher hatte sie immer wider die Beschwerden, wie Müdigkeit, Unruhigkeit, Unsicherheit, Spannung, emotionelle Empfindlichkeit (dauernd im Zustand, dass sie wegen jeder Kleinigkeit weint), übertriebenen Angst und Sorgen, Nervosität, Mangel an Arbeitsmotivation, Konzentration und Lebensfreude, usw. Obwohl alle diese Symptome auf eine Depression oder Angststörungen hinweisen sollen hätten, laut Ärzte, war das alles nur typischen Wechseljahresbeschwerden, und dementsprechend war meine Mutter auch behandelt. Zwischen 1998 und 2004 war ihr Gesundheitszustand mehr schlecht als gut. Sie hatte ein paar Episoden, indem sie wochenlang nur im Bett lag, ohne dass sie sich weder körperlich noch geistlich fit fühlte.

Erst im Jahre 2004, war ihr zum ersten Mal eine Depression diagnostiziert und ein Antidepressivum vorgeschrieben und zwar Fluoxetin. Am Anfang war es 20 mg/Tag. Später kriegte sie eine Dosis von 40 mg/Tag, die sie noch immer regelmassig nimmt. Seitdem hat sich ihr Gesundheitszustand wesentlich verbessert. Sie fand die Kräfte die alltäglichen häuslichen Anforderungen wider bewältigen zu können. Die Motivation zum Leben war wider da! Zusätzlich, hatte sie wider eine psychotherapeutische Behandlung, die sie aber im gleichen Jahr 2004 nach zwei Terminen (nachdem es ihr besser ging) abgelehnt hat. Seitdem hatte sie die Beschwerden jedes Jahr nur zwischen Februar und Mai, die aber ganz erträglich waren. In diesem Jahr, statt sich ihr Gesundheitszustand im April und Mai wider verbesserte, hat sie sich eher verschlechtert und es geht ihr noch immer nicht gut.

In der letzten Zeit hat sie mehrmals mit den Ärzten über eine mögliche Änderung der Therapie gesprochen. Nachdem sie sich mit dem Ganzen nochmals auseinandere gesetzt haben, kamen sie zu einer neuen Diagnosestellung, eine generalisierte Angststörung mit depressiven Störungen. Dementsprechend, eine neue medikamentöse Behandlung wäre nun unvermeidbar. Sie sprachen von Paroxetin und Venlafaxin ER. Da das Vertrauen nicht groß ist, weil es schon Mal verloren wurde, habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt. Ich bin ein Laie für die Medizin, aber trotzdem könnte ich sehen, dass es alles nicht ganz ungefährlich und ohne Risiken ist. Noch dazu, es mag sein, dass die Behandlung sogar lebenslang dauern muss.

Deshalb möchte ich Sie um eine ausführliche Erklärung der folgenden Punkte bitten:
1. was sind die Vorteile und Nachteile mit einem SSRI bwz. einem SNRI behandelt zu werden?
2. worauf muss man achten, wenn die Behandlung von einem SSRI zu anderem SSRI umgestellt wird?
3. worauf muss man achten, wenn die Behandlung von einem SSRI zu einem SNRI umgestellt wird?
4. welcher unter die drei Antidepressiva Fluoxetin, Paroxetin, Venlafaxin ER ist für eine langjährige Behandlung am besten geeignet?
5. ist es zu empfehlen eine Behandlung gleichzeitig mit zwei Antidepressiva durchzuführen?
6. wie passt eine weitere Behandlung mit Bromazepam das gesamte Bild ein?
7. soll meine Mutter lieber weiter auf Bromazepam verzichten?
8. falls ja, was wäre der beste Weg und gäbe es eine alternative in der Phytotherapie und welche?

Ich weis, dass die o.g. Beschreibung des Zustandes meiner Mutter viel zu kurz ist, aber trotzdem möchte ich Sie um Ihre Meinung über weiteren Ablauf der Therapie/Behandlung bitten!

Ich freue mich auf Ihre Antwort und bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen!

Mit freundlichen Grüßen,

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Re: Behandlung mit SSRI und SNRI Antidepressiva (Reply to: 125909 from ****** )
From: ******
Date: Sat, 5 Jul 2008 08:30:37 +0200
Language: German

 


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Bitte haben Sie Verständnis, dass ich ganz sicher hier keine individuelle Beratung und Therapievorschläge machen kann. Nur allgemein fallen mir spontant folgende Gedanken ein, die man durch Fachleute vor Ort überprüfen lassen sollte :

1. Die Anhäufung von Belastungssituationen und auch die Lebensumstände mit Krieg und Veränderungen lassen mich aufgrund der geschilderten Symptomatik an eine Posttraumatische Belastungsstörung denken. Nicht immer muss diese mit wiederkehrenden Bildern bzw. Flash-Backs einhergehen. Gerade die Ansammlung von Belastungen kann zu komplexen Angststörungen bzw. Depressionen oder "Nervenzusammenbruch" führen. Das wäre schon für die Behandlung wichtig, da hier dann eher traumazentrierte Behandlungen (zB. EMDR) erforderlich wären.
2. Bromazepam auf Dauer ist nie eine gute Wahl. Gerade bei längerer Einnahme bei chronischen Angststörungen (und dazu gehört für mich pauschal auch eine Traumatisierung) wird ein relativer Toleranzeffekt auftreten. Das bedeutet, dass bei gleicher Einnahmedosis die Wirkung schwächer wird und auch Entzugssymptome auftreten können, die wiederum als Ängste, Verwirrung oder Halluzinationen imponieren können. Bromazepam sollte man aber nicht eigenmächtig absezten, sondern allenfalls schrittweise, weil eben eine Abhängigkeitsentwicklung wahrscheinlich ist und beim abruptem Entzug Halluzinationen oder Verwirrung drohen.

3. Die genannten Antidepressiva haben alle eine recht gute Wirkung bei Angst- und Depressionen. Venlafaxin ist gerade bei Generalisierter Angststörung und vermutlich auch bei der Posttraumatischen Belastungsstörung lange eingesetzt. Insonfern sind es alles gute Optionen. Es kommt eben nur darauf an, in welchem Gesamtrahmen der Begleitstörungen und Lebensumstände die Medikation wirken muss

4. Ich würde zumindest durch Fachleute abklären lassen, ob eine Traumastörung möglich ist. Dies hätte dann für die Behandlung insofern eine Bedeutung, dass man mit Stabilisierung und EMDR-Therapie eine rasche Besserung erzielen könnte.

Vielleicht ist das Buch "Die neue Medizin der Emotionen" für sie von Interesse, das solche Überlegungen von Traumata, Depressionen, Ängsten und Schlafstörungen noch weiter ausführt und verschiedene Behandlungsansätze darstellt.

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