Psychiatrie : Hilfe in psychiatrische Klinik
Nun, diese Frage kann man pauschal nicht beantworten. Es hängt ganz stark davon ab, welche Zielsetzungen bzw. individuelle Situation und Dringlichkeit besteht. Es macht einen grossen Unterschied aus, ob man in einer schweren depressiven Krisensituation (ggf. mit Selbstmordgedanken) oder aber in einer bereits seit längerer Zeit bestehenden depressiven Verstimmung Hilfe benötigt.
Günstig wäre es auf jeden Fall, wenn der Hausarzt bzw. einweisende Arzt dies zuvor mit Ihnen bespricht und auch den Kontakt zur zuständigen Klinik sucht. Hier würde ein Telefonanruf schon viel erreichen. Warum?
Nun in Deutschland ist für die psychiatrische Versorung jeweils eine wohnortnahe (sektorisierte) Klinik zuständig. Hierbei gibt es recht unterschiedliche Behandlungsangebote bzw. Möglichkeiten.
Sicher wird bei einer akuten Notsituation jede Klinik die Aufnahme einer hilfebedürftigen Patientin ermöglichen. Doch muss man sich klarmachen, dass dies dann je nach Kapazität der Klinik zunächst auf einer Aufnahmestation erfolgen kann. Speziellere pychotherapeutisch ausgerichtete Stationen einer Psychiatrie haben (ebenso wie z.B. eine speziellere psychosomatische Klinik) oft Wartezeiten.
Auch kann es z.B. weit geeigneter sein, sich über eine tagesklinische Behandlungsmöglichkeit in einer Psychiatrie zu informieren. Eine Tagesklinik ist für Patienten geeignet, die zwar eine psychiatrische Hilfe und Therapie wünschen, aber dennoch noch so stabil sind, dass sie am Abend und Wochenende zu Hause leben könnten.
Ist aber die Aufnahme in der psychiatrischen Klinik vereinbart, so wird man nach Erledigung der Formalitäten häufig von einer sog. Bezugspflegeperson auf die Station abgeholt. Dies sind Krankenschwestern oder Krankenpfleger, die auch in der psychotherapeutischen Betreuung der Patienten auf der Station mit eingebunden sind. Sie stehen für Fragen und Unklarheiten jederzeit gerne zur Verfügung und werden häufig bereits in einem Erstgespräch Unsicherheiten oder Ängste ansprechen oder klären (z.B. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Versorgung von Kindern, Haustieren, Angehörigen oder Blumen etc.) und einem hoffentlich schon einmal die Station zeigen. In vielen Abteilungen ist es auch so, dass ein Mitpatient als Ansprechpartner den Kontakt zu den anderen Mitbewohnern auf der Station erleichtert.
Keine Sorge, gängige Vorurteile von psychiatrischen Kliniken aus Filmen entbehren meist jeder Grundlage. Heute sind Kliniken (relativ) modern und freundlich ausgestattet und auch die Patienten sind keinesfalls besonders auffällig oder "verrückt". Im Gegenteil.
Nach dem Erstkontakt mit den Pflegeteam wird dann ein Aufnahmegespräch mit einem Arzt / Psychologen erfolgen. Zumeist wird dies mit dem Bezugstherapeuten aus dem Pflegeteam gemeinsam gemacht. Ein solches Erstgespräch dient zur Orientierung bzw. zum Abschätzen der akuten Gefährdung des Patienten. Viele Patienten befürchten aber, dass hier schon alle weiteren Entscheidungen oder Behandlungen festgelegt würden. Häufig wird dann nochmal ein Kontakt zum Oberarzt der Station erfolgen.
Im Erstgespräch werden die Therapeuten sich besonders für folgende Aspekte interessieren :
- aktuelle Beschwerden, die zur Aufnahme führten
- Frühere Erkrankungen und Behandlungsversuche
- Welche Stärken bzw. Ressorcen hat der Patient?
- Welche Ziele sollen mit der stationären Behandlung erzielt werden?
- Ist der Patient akut selbstmordgefährdet und absprachefähig?
- Welche Art der Behandlung wünscht der Patient selber?
Meist im Gespräch erhebt der Therapeut einen sog. "psychopathologischen Befund". Hierbei geht es um recht grundlegende Fragen der Orientierung (Wo sind sie? Welcher Tag ist heute?...), Konzentration und Aufmerksamkeitsleistungen ermittelt. Dies wird aber (leider) nicht immer explizit erfragt. Daneben wird das Vorhandensein von Ängsten, Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen, Stimmungsbeeinflussungen oder psychotischen Symptomen (z.B. Verfolgungsideen, Halluzinationen) abgefragt und auch die vegetativen Symptome (Schlafstörungen, Appetitveränderungen, sexuelle Funktionsprobleme) angesprochen.
Dann rundet eine (kurze) körperliche Untersuchung den ärztlichen Erstkontakt ab. Hierbei wird der Arzt / die Ärztin auch eine orientierende neurologische Untersuchung mit einbeziehen. Meist am folgenden Tag schliesst dann eine Blut- und Urinuntersuchung die Erstdiagnostik ab.